Lovestory: Jeden Tag einander Gutes sagen!

Mit Musik begann eine Beziehung mit besonderer Note: Es ist die Geschichte einer Bankkauffrau aus Hocheck in Ollersdorf im Burgenland und eines Psychotherapeuten aus Satteins in Vorarlberg. Roswitha und Bertram leben schon fast zwei Jahrzehnte zusammen. Es begann als Fernbeziehung, nun pendeln sie oft – mal getrennt, mal gemeinsam – zwischen ihren Wohnsitzen im Ländle und im Stremtal.
Bertram Strolz ist Psychotherapeut, Pädagoge, systemischer Coach und Mastertrainer im Fach „Positive
Psychologie“. Roswitha Strolz managt im Backoffice als Geschäftsführerin den Betrieb der von Bertram gegründeten Akademie für positive Psychologie. Beide arbeiten und leben als Team und als Paar. Eigene Erfahrung und fachliche Expertise bereichern diese pannonisch-
alemannische Lovestory.
Walter Reiss hat mit dem interessanten Paar ein „prima!“-Gespräch geführt.

           

                   

Walter Reiss / 27. Jänner 2026

Roswitha und Bertram Strolz haben trotz 800 Kilometer-Entfernung zueinander gefunden.

Eine Burgenländerin und ein Vorarlberger erzählen über gelingende Beziehung und ihre eigene Geschichte. 

Vorarlberger und Südburgenländerin finden einander: Wie ergab sich das? 

Bertram: Ich bin auch Musiker und habe in Wien ein Konzert gegeben für Kunden jener Bank, bei der Roswitha gearbeitet hat. Da haben wir uns kennengelernt. Am Anfang war es vorerst eine Fernbeziehung. 

Roswitha: Kennengelernt haben wir uns 2007, danach war ich noch ein Jahr lang in Wien und bin Anfang 2009 nach Vorarlberg gezogen, im Mai 2009 haben wir im Burgenland geheiratet.

Bertram: Schon fünf Wochen nach unserem Kennenlernen habe ich ihr einen Heiratsantrag gemacht. Ich war ja schon alleinerziehender Vater von vier Kindern und habe mir gedacht: Damit sie jetzt bleibt, muss ich das rasch und offen sagen …

Roswitha: Wir haben uns über unsere Situation ganz offen ausgetauscht, und das hat ein gewisses Vertrauen für eine gute Verbindung geschaffen. Dass uns fast 800 Kilometer getrennt haben, war nicht hinderlich. Es war ein Gefühl: Okay, das passt, und zwar auf Anhieb.

War das ein Start in eine Beziehung, wie sie ein Psychotherapeut als ideal beschreibt?

Bertram: Ja. Authentizität ist das, was wirkt. Man nennt das auch Echtheit. Ehrlichkeit und Offenheit sind die Grundlage einer gelingenden Beziehung. Wenn Verdecktes, Verdrängtes oder Nichtgesagtes später auftauchen, wird es kritisch. 

Also ganz im Sinne der positiven Psychologie?

Bertram: In der Psychotherapie nennt man das „selektive Offenheit“.  Die dient aber nicht dazu, sich alles schön zu malen. Schon die Bezeichnung „Positive Psychologie“ ist da ein wenig unglücklich, weil es ja die negative Psychologie nicht gibt. Das Spannende am Forschungsgebiet ist die Frage, warum es den Menschen gut geht. Das heißt nicht, dass alle immer glücklich sind. Aber es geht darum, wie es Menschen nach Belastungen und Rückschlägen wieder gut geht und sie dann fähig sind, Herausforderungen zu bewältigen. Das nennt man Resilienz. Es geht einfach darum, ein gelingendes Leben zu beschreiben, und eine gelingende Beziehung.

Roswitha: Es gibt auch schwierige Dinge im Leben, die man bewältigen muss. Aber unser Zusammenhalt lässt uns alles meistern. Wir schätzen den anderen und das, was er macht und mag.  So etwas verbindet auch über die Entfernung. Es gelingt, wenn man den anderen so sein lässt, wie er ist. Wir haben einander als Menschen mit einiger Lebenserfahrung kennengelernt mit der Überzeugung, dass man den Partner, die Partnerin so schätzt wie er/sie ist.

„Eine gute Beziehung basiert auf Wertschätzung, Respekt, Verbindlichkeit, Vertrauen und Freundlichkeit“

Bertram Strolz, Psychotherapeut

Man soll also nicht ständig am anderen herumnörgeln, miteinander offen reden und so oft wie möglich zeigen, dass man einander schätzt. Ist diese positive Routine nicht zu viel verlangt?

Bertram: Wir brauchen das Mehrfache an Positivität, um eine optimistische und zuversichtliche, liebende Haltung zu bekommen. Negative Emotionen sind Gift für jede Beziehung.  

„Das miteinander Reden: Das ist das Um und Auf.“

Roswitha Strolz, Geschäftsführerin

Was es laut positiver Psychologie braucht, sind diese kleinen „Acts of Kindness“ oder „Micromoments of Positivity“. Diese täglichen kleinen Zeichen der Hinwendung würde ich jedem Paar empfehlen. Das ist natürlich auch der Blumenstrauß an irgendeinem Jubiläum oder die Gratulation zum Geburtstag. Ständig zu sagen, „Das hast du schon wieder falsch gemacht! Wie immer!“, das killt jede Beziehung.

Roswitha: Ich war auch schon, wie Bertram früher, in anderen Beziehungen, war auch verheiratet. Jungen Paaren empfehle ich, gut in Kontakt zu bleiben, Dinge anzusprechen und vor allem Zuwendung zu zeigen. Es geht um Wertschätzung, zu sagen, was man am anderen hat und das auch mit kleinen Zeichen im Alltag immer wieder umzusetzen. Dann verträgt es auch Kritik, wenn etwas stört oder ärgerlich ist. Auch diese Dinge gehören angesprochen und gesagt. Wenn Ärger und Groll immer größer werden, stumpft die Beziehung ab. Reden ist das Um und Auf und ermöglicht Klarheit und Orientierung. 

Also ist der alle Jahre wieder zum Valentinstag überbrachte Blumenstrauß doch zu wenig?

Bertram: Es braucht mehr Zeichen der Hinwendung und Wertschätzung. Wenn Paare bei mir in Therapie sind, rate ich ihnen: Bitte sagt euch immer „Gute Nacht“. Wir brauchen das so dringend wie Kinder: Zu hören, dass es für heute mal gut ist, morgen reden wir weiter. Aber endloses Nichtreden ist gefährlich. Hingegen ermöglicht positive Routine auch den Umgang mit Kritik. 

Schweigen ist also Gift, nicht Gold?

Roswitha: Ja, genau.

Bertram: Es geht darum, zu reden und zuzuhören. Dann fühlen sich Menschen gehört und es entsteht ein Gefühl der Zugehörigkeit. Wenn wir uns nicht zugehörig fühlen, dann sind wir einsam. Einsamkeit ist das Gegenteil von Beziehung. Wir haben nicht nur eine Klimakrise in der Natur, wir haben auch eine in der Gesellschaft. In der Natur wird es heißer, die Gesellschaft wird kälter. Wir brauchen daher umso mehr jemanden, an den wir uns anlehnen und mit ihm oder ihr auch Freude teilen können.

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