Oberwart erinnert an die Roma-Opfer des Attentats von 1995

In Oberwart wurde am Sonntag der vier Roma gedacht, die am 4. Februar 1995 bei einem rassistisch motivierten Attentat getötet wurden. Die Gedenkfeier am damaligen Tatort machte deutlich, dass Erinnerung untrennbar mit Verantwortung verbunden ist.

Nicole MÜHL / 4. Feber 2026

Gedenken verpflichtet – Oberwart erinnert an die Roma-Opfer des Attentats von 1995

Der Gedenkort in Oberwart ist jener Ort, an dem Erwin Horvath, Peter Sarközi, Josef Simon und Karl Horvath durch einen Terroranschlag ihr Leben verloren. Einst Teil ihres Alltags, wurde dieser Ort zur tödlichen Realität von Gewalt und Hass. Beim Roma-Gedenken Oberwart kamen Angehörige der Opfer sowie Vertreter:innen aus Politik, Kirche, Bildung und Zivilgesellschaft zusammen.

Erinnerung an einen konkreten Tatort

In ihrer Moderation betonte Manuela Horvath, Leiterin der Romapastoral der Diözese Eisenstadt und Angehörige der Roma-Volksgruppe, die Bedeutung des Ortes:
„Genau hier wurde vor 31 Jahren das Leben von vier Roma ausgelöscht. Nicht durch ein Unglück und nicht durch einen Zufall.“

Der Anschlag von Oberwart war Teil einer Serie von Brief- und Rohrbombenattentaten der 1990er-Jahre, die sich gezielt gegen Minderheiten, Volksgruppen sowie engagierte Personen aus Politik, Kirche und Zivilgesellschaft richteten. Für viele Roma war diese Zeit von Angst geprägt, die weit über das unmittelbare Ereignis hinauswirkte. Das Roma-Gedenken Oberwart griff diese historischen Zusammenhänge auf und stellte sie in den Mittelpunkt der Erinnerung.

Stimmen gegen Hass und Ausgrenzung

Im Rahmen der Gedenkfeier wurde auch auf aktuelle Entwicklungen hingewiesen. Thematisiert wurde das Wiederauftauchen rechtsextremer Symbole in unmittelbarer Nähe des Gedenkortes sowie die Notwendigkeit, Ausgrenzung und Hass entschieden entgegenzutreten. „Gedenken darf nicht mit dem Ende der Gedenkfeier zu Ende sein. Gedenken verpflichtet uns alle“, hielt Manuela Horvath fest.

Besonders präsent waren die Stimmen junger Menschen. Alysea, selbst Volksgruppenangehörige, schilderte ihre Eindrücke:
„Alles was ich gesehen habe, Hakenkreuze und ein bestimmter Gruß, macht mir grundsätzlich Angst. Es macht aber noch mehr Angst, dass diese Kritzeleien genau hier in der Nähe der Gedenkstätte sind. Das Attentat von 1995 gilt als einer der schwersten rassistisch motivierten Terrorakte der Zweiten Republik. Über 30 Jahre danach scheint der Hass auf diverse Gruppen noch immer so groß zu sein.“

Engagement der jungen Generation

Auch Schülerinnen des Zweisprachigen Bundesrealgymnasiums Oberwart gestalteten das Roma-Gedenken Oberwart aktiv mit. Johanna berichtete von einem Schulprojekt, bei dem eine Unterführung neu gestaltet wurde:
„Im Oktober haben wir im Rahmen eines Schulprojekts die Wand der Unterführung neu grundiert und mit Zeichen der Hoffnung verschönert. Besonders motiviert hat uns, dass uns Burgenlandkroaten dies als Volksgruppe ebenfalls hätte treffen können.“

Emilia trug ein Gedicht vor, in dem Zivilcourage und Hoffnung zentrale Themen waren:
„Zivilcourage, sie ist die Farbe in der Dunkelheit, sie ist der Schrei für andere, das Einstehen für Schwache, sie ist Schutz an jedem Ort.“

Ein ökumenisches Gebet verlieh der Gedenkfeier zusätzliche Würde. Bischof Franz Scharl betonte dabei:
„Die Erinnerung an das, was geschehen ist, ist heute genauso wichtig wie die Verantwortung, sie weiterzutragen.“

Den Abschluss des Roma-Gedenkens Oberwart bildete ein gemeinsamer Gang zur Gedenkstätte, bei dem Kerzen entzündet wurden. Das stille Erinnern stand dabei ebenso im Mittelpunkt wie das gemeinsame Versprechen, die Opfer nicht zu vergessen.

Fotos © Romapastoral

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