Asbest im Burgenland: Greenpeace warnt vor großflächiger Belastung

Greenpeace meldet eine massive Asbestbelastung im Burgenland. Materialproben an mehreren Orten im Bezirk Oberwart sowie in angrenzenden Gemeinden zeigen teils extrem hohe Asbestanteile. Während Greenpeace sofortige Sperren fordert, kündigt das Land Burgenland vorsorgliche Luftmessungen und eine wissenschaftliche Taskforce an.

Nicole MÜHL / 26. Jänner 2026

Dr. Markus Schreier, Amtsarzt und Vertreter der burgenländischen Landessanitätsdirektion, Mag. Andreas Temmel, Vertreter der Landesverwaltung in der Taskforce, Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Landesrat Heinrich Dorner und  DI Michael Kochberger, beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger, bei der Präsentation der Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“.

Nach Angaben von Greenpeace wurden an neun Standorten in Oberwart, Rechnitz und Neumarkt im Tauchental Proben entnommen und im Labor analysiert. Die Ergebnisse zeigen teils über 50 Prozent Asbestanteil. Bereits ab 0,1 Prozent gilt Material als gefährlicher Abfall. Betroffen sind unter anderem der Skatepark in Rechnitz, die Krankenhausbaustelle und das Umfeld der Klinik Oberwart sowie eine Schotterstraße in einer Einfamilienhaussiedlung nahe eines Spielplatzes in Neumarkt im Tauchental.

Laut Greenpeace können durch Abrieb, Verkehr oder Bauarbeiten besonders viele Asbestfasern freigesetzt werden. Sprecher Stefan Stadler erklärt: „Selbst minimale Asbestmengen können in unseren Lungen immensen Schaden anrichten. In Oberwart liegt asbestbelasteter Schotter direkt bei der Klinik, in Rechnitz fahren Kinder mit Fahrrädern, Scootern und Skateboard über asbestverseuchten Asphalt. Das ist Gefahr im Verzug.“

Medizinische Einordnung und Ursprung des Materials

Umweltmedizinerin Daniela Haluza von der Medizinischen Universität Wien verweist darauf, dass es sich bei den gefundenen Fasern um Tremolit-Asbest handelt. Diese Fasern können tief in die Lunge eindringen und sich dort festsetzen. Mögliche Folgen sind Erkrankungen wie Asbestose, Lungenkrebs oder Tumoren des Brustfells, die oft erst Jahrzehnte nach der Belastung auftreten.

Das asbestbelastete Material stammt laut Greenpeace aus Serpentinit-Steinbrüchen. Vier dieser Steinbrüche im Burgenland wurden im Jänner 2026 wegen hoher Asbestbelastung gesperrt. Ein Rückruf von asbestbelastetem Streusplitt erfolgte bereits im Jahr 2008.

Land Burgenland setzt auf Luftmessungen und Taskforce

Nach Veröffentlichung der Greenpeace-Ergebnisse informierte das Land Burgenland über geplante Vorsorgemaßnahmen. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil betonte, dass nach aktuellem Wissensstand keine akute Gesundheitsgefährdung bestehe. Entscheidend sei nicht der Asbestanteil im Gestein, sondern eine mögliche Belastung der Atemluft.

Eine Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“ soll Luftmessungen an ausgewählten Standorten durchführen, insbesondere dort, wo Greenpeace Proben genommen hat, sowie im Umfeld der betroffenen Steinbrüche. Die Ergebnisse sollen transparent veröffentlicht werden. LH-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner kündigte zusätzlich eine Hotline und eine Online-Übersicht mit Landkarte und FAQs an.

Greenpeace fordert rasches Handeln

Greenpeace hält die bisherigen Funde für „nur die Spitze des Eisbergs“ und warnt vor offen liegenden, brüchigen Asbestbrocken nahe Kindergärten, Wohnhäusern, Baustellen und Krankenhäusern. Stadler fordert weiterhin die sofortige Sperre stark beanspruchter Flächen und eine umfassende Erhebung, wo asbesthaltiges Material im Burgenland verbaut oder verteilt wurde.

Aus medizinischer Sicht gibt es laut burgenländischer Landessanitätsdirektion derzeit keine Hinweise auf eine erhöhte Zahl asbestbedingter Erkrankungen. Von Landesseite wird betont, dass die Ergebnisse der Messungen von den Expertinnen und Experten interpretiert und Handlungsempfehlungen abgeleitet werden, die bindend umgesetzt werden. Der Austausch mit den zuständigen Ministerien erfolge regelmäßig.

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