Nicole MATSCH / 13. Feber 2026
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Wirtschaftskammer Burgenland Präsident Mst. Andreas Wirth (li.) und Gewerbe und Handwerk-Spartenobmann KommR Anton Putz
Lehrlinge leisten im Burgenland einen zentralen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung. Ohne die duale Lehrlingsausbildung würden zahlreiche Abläufe in Betrieben und im öffentlichen Leben nicht funktionieren. Gleichzeitig steigen Ausbildungs- und Personalkosten. Zudem wachsen bürokratische Anforderungen, während staatliche Förderinstrumente nicht angepasst wurden. Spartenobmann KommR Anton Putz fordert daher die Weiterführung und Valorisierung der betrieblichen Lehrstellenförderung, um die Ausbildungsbereitschaft langfristig zu sichern.
Gewerbe und Handwerk als größte Ausbildungs-Sparte
Im vergangenen Jahr absolvierten 1.110 Lehrlinge im Burgenland ihre Ausbildung in der Sparte Gewerbe und Handwerk, davon 281 im ersten Lehrjahr. Damit wird nahezu jede:r zweite Auszubildende in einem der rund 500 Lehrbetriebe dieser Sparte ausgebildet. Die duale Lehrlingsausbildung im Gewerbe und Handwerk bleibt somit die größte Talenteschmiede des Landes.
Die Zahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr ist jedoch leicht rückläufig. Sie sank um 1,1 Prozent. Über alle Sparten hinweg beträgt der Rückgang 3,1 Prozent. Für die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben gilt diese Entwicklung als Warnsignal.
Betriebe fordern Anpassung der Förderung
Die duale Lehrlingsausbildung erfordert einen hohen personellen und finanziellen Einsatz der Betriebe. „Unsere Ausbildungsbetriebe ermöglichen jungen Menschen eine persönliche wie berufliche Perspektive und leisten damit einen wichtigen Beitrag nicht nur zur regionalen Wertschöpfung, sondern zur Gesellschaft insgesamt“, betont Putz. Viele Ausbildungsbetriebe sehen ihr Engagement als Verantwortung gegenüber Branche und Region.
Gleichzeitig steige der Bedarf an zusätzlicher Begleitung vieler Jugendlicher im schulischen und sozialen Bereich. Auch die Bürokratiebelastung nimmt zu. In Verbindung mit der anhaltenden wirtschaftlichen Rezession entstehe für viele, insbesondere kleinere Betriebe, ein hoher Aufwand.
WK-Präsident Mst. Andreas Wirth verweist auf die langfristigen Investitionen der Unternehmen. Gerade zu Beginn der dualen Lehrlingsausbildung sei der Betreuungsaufwand hoch und die Produktivität geringer. „Wir brauchen hier ein System wie im Sport: Wer einen Lehrling ausbildet und ihn dann kurz nach der Lehrzeit verliert, muss dafür eine Entschädigung bekommen. Der Betrieb hat die schwierigste Phase getragen, Zeit, Geld und Know-how investiert – das darf nicht einfach verloren gehen“, betont Wirth. Er fordert ein faires Ausgleichsmodell für Betriebe, die Lehrlinge bis zum Abschluss ausbilden.

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