Nicole MÜHL / 6. Feber 2026
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Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“
Die Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“ hat diese Woche den ersten Durchgang der Luftmessungen im Bezirk Oberwart abgeschlossen. An neun Messpunkten, an denen zuvor von Greenpeace Gesteinsproben entnommen worden waren, zeigten die Erstmessungen keine auffälligen Belastungen. Damit ergibt sich nach aktuellem Stand kein relevantes Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung. Die Luftmessungen im Bezirk Oberwart werden dennoch fortgesetzt, da einzelne Messungen keine ausreichende Aussagekraft haben.
Erste Ergebnisse im erwarteten Hintergrundbereich
„Die Erstmessungen zeigen, was wir bereits erwartet haben. Die Faserfreisetzung liegt in der üblichen und erwarteten Schwankungsbreite“, erklärt der Leiter der Taskforce, Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Med Uni Wien. Die gemessenen Asbestkonzentrationen bewegen sich demnach im üblichen Hintergrundbereich. Für eine Gesamtinterpretation seien jedoch weitere Ergebnisse erforderlich. Die Luftmessungen im Bezirk Oberwart werden daher über einen längeren Zeitraum und bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen durchgeführt.
Weitere Messungen und zusätzliche Standorte geplant
Da die Freisetzung von Asbestfasern stark von äußeren Einflüssen abhängt, sind mehrere Messdurchgänge vorgesehen. Zusätzlich werden Vergleichsmessungen durchgeführt, um die natürlich vorkommende Hintergrundbelastung korrekt einzuordnen. Über die bisherigen Standorte hinaus sollen weitere Messpunkte beprobt werden. Gemeinden können geeignete Standorte auf öffentlichem Gut bei der Taskforce melden. Ob eine Luftmessung dort zweckmäßig ist, entscheiden die Expert:innen der Taskforce, wie der stellvertretende Landesamtsdirektor Andreas Temmel betont. Die Luftmessungen im Bezirk Oberwart dürfen ausschließlich auf öffentlichem Grund und bei entsprechender Zweckmäßigkeit erfolgen.
Methodik nach wissenschaftlichen Standards
Die Luftmessungen erfolgen mit Standgeräten über jeweils acht Stunden gemäß ISO 14966 beziehungsweise VDI 3492. Ergänzend werden an stark frequentierten Orten Personalsamples eingesetzt. Die angesaugte Luft wird über Goldfilter geleitet, die gesammelten Fasern anschließend mittels Rasterelektronenmikroskop analysiert. Geplant sind mehrere Messreihen, um unterschiedliche klimatische Bedingungen abzudecken. Erste Aussagen sind innerhalb eines Monats möglich, eine vollständige Auswertung erfordert jedoch einen Jahresverlauf.
Asbest im Gestein nicht gleich Gesundheitsgefahr
Entscheidend für die Beurteilung eines möglichen Risikos ist laut den Fachleuten nicht der Asbestanteil im Gestein, sondern die Frage, ob lungengängige Fasern tatsächlich in die Luft freigesetzt und eingeatmet werden können. „Das reine Vorliegen von asbesthaltigen Materialien stellt grundsätzlich noch keine Gefährdung dar“, betont der stellvertretende Leiter der Taskforce, Mediziner Hanns Moshammer. Auch der gerichtlich zertifizierte Sachverständige Michael Kochberger verweist darauf, dass belastbare Aussagen nur auf Basis normgerechter, repräsentativer Untersuchungen möglich sind. Die Luftmessungen im Bezirk Oberwart gelten dabei als zentrale Grundlage für die Bewertung eines möglichen Gesundheitsrisikos.
Die Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“
Die Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“ wurde eingesetzt, um die weiteren Schritte fachlich und wissenschaftlich zu begleiten. Ziel ist es, Luftmessungen als entscheidendes Kriterium für die gesundheitliche Bewertung systematisch durchzuführen, über einen längeren Zeitraum vergleichbar zu erfassen und fachlich einzuordnen. Die fachliche Arbeit der Taskforce setzt an, Messergebnisse medizinisch korrekt einzuordnen. Messungen über einen längeren Zeitpunkt sind notwendig, um Vergleichbarkeit herzustellen.
Sie besteht aus Experten aus Umweltmedizin, Forschung, Verwaltung und Recht.
Die Mitglieder der Taskforce:
· Leitung: Assoz. Prof. DI Dr. Hans-Peter Hutter, Med Uni Wien
· Stellvertretende Leitung: Univ.-Prof. Dr. Hanns Moshammer
· Mag. Andreas Temmel, Landesamtsdirektor-Stellvertreter
· DI Michael Kochberger, gerichtlich zertifizierter Asbest-Sachverständiger
· Univ.-Prof. Dr. Ulrich Elling, Molekularbiologe und Vorsitzender des Expertenbeirats für Forschung des Landes
· Univ. Prof. DI Dr. Frank Melcher von der Montanuniversität Leoben
· Landesumweltanwalt DI Dr. Michael Graf
· Dr. Markus Schreier, Amtsarzt und Vertreter der burgenländischen Landessanitätsdirektion
· Amtssachverständige DI Dr. Andrea Schröck
Der Austausch mit den zuständigen Ministerien erfolgt regelmäßig.
Für Fragen und Informationen steht der Bevölkerung die Hotline 057 600 1027 von Montag bis Donnerstag, von 7.30 bis 16 Uhr, und freitags, von 7.30 bis 13 Uhr, sowie die E-Mail-Adresse taskforceluft@bgld.gv.at zur Verfügung.

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