Crowdfunding für regionale Durchstarter

Zusammen das Beste aus dem Südburgenland herausholen: Das haben sich die Initiatoren des Programmes „Crowdfunding Südburgenland“ vorgenommen. Durch die Symbiose des Prinzips Crowdfunding soll erfrischenden, innovativen Ideen und Projekten von mutigen Unternehmerinnen und Unternehmern ein besonders starker Start ermöglicht und das Risiko für Investoren minimiert werden. Und nebenbei eine nachhaltige Bereicherung für die ganze Region bedeuten.
Eva Maria KAMPER / 29. Oktober 2020
Foto: Eva Maria Kamper

Crowdfunding – das große Thema im Südburgenland

 

Wussten Sie, dass es im südburgenländischen Heugraben eine Bierbrauerei gibt? Unter der Marke „Zickentaler Bier“ vermarktet Braumeister Patrick Krammer seit 2016 seine Spezialitäten für Bierliebhaber. Nun möchte er seine Brauerei um zusätzliche Biertanks erweitern. „Es ist an der Zeit, neue Sorten zu kreieren und die Produktion zu erhöhen“, ist der Unternehmer entschlossen. Da er dafür das nötige Kleingeld von 25.000 Euro benötigt, hat er sich beim Crowdfunding Programm beworben. Nun sucht er Investoren aus der Bevölkerung, denen er dann zum Dank der Finanzierung die Gegenleistungen in Form von Naturalien wie zum Beispiel Bier, eine Verkostungsparty oder einen Brautag etc. anbietet.

Bevölkerung als Investoren mit Benefits

Denn das ist der große Unterschied des „Crowdfundings“ zum Finanzierungskredit. Es geht nicht nur um die klassische Geldbeschaffung durch Kredite, die dann mit Zinsen zurückgezahlt werden. Sondern es soll Interessierte aus der Bevölkerung einladen, sich an innovativen Start-Ups oder alteingesessenen Unternehmen mit neuen Ideen zu beteiligen und die Region dadurch mitzutragen. Durch die Gegenleistung bzw. Benefits in Form von südburgenländischen Waren oder Leistungen entstehe ein Fluss, eine Bindung: „Beim Crowdfunding bildet sich ein Zusammenhalt in Form von Synergien. Durch Kooperationen wächst auch die Dynamik, die dem Bekanntheitsgrad und dem Erfolg des einzelnen Unternehmers zugutekommt“, weiß Wilfried Drexler, Unternehmensberater und Projektpartner des Initiator-Vereins „Südburgenland plus“, über Crowdfunding als Zukunftsmodell. Er empfängt alle kreativen Menschen mit Geschäftsideen und prüft die Eignung und Umsetzung per Crowdfunding.

So tat es auch Christian Janisch aus Stegersbach, der nun für sein Unternehmen „Südburgenlandschnecke“ finanzielle Unterstützer sucht. Mit 15.000 Euro möchte er seine Weinbergschneckenzucht vergrößern und auch für Besucher zugänglich machen. Mit den Tieren beliefert er Gastronomie, Handel und Tiergärten und in späterer Folge auch seine Financiers. „Romeo-Caviar“ aus Mariasdorf ist ein ähnliches Beispiel für ein bereits abgeschlossenes Crowdfunding-Projekt aus diesem Programm.

Auch Gemeinden oder Vereine sind eingeladen, sich Investitionen mittels Crowdfunding zu ermöglichen. Der Verein „Rund ums Moor“ aus Rohr möchte 6.000 Euro sammeln, um den geführten Erlebnisweg mit den berühmten Moorochsen barrierefrei zugänglich zu machen. „Wir möchten das Naturschutzgebiet natürlich nicht zuplanieren. Die Idee ist, rollstuhlgerechte Elektro-Scooter anzukaufen. Diese E-Scooter können an die Rollstühle ‚angedockt‘ werden, damit die Menschen den Moor-Erlebnisweg selbstbestimmt erkunden können“, schildert Vereinsverantwortliche Helga Galosch. Die Gegenleistungen für Investoren sind auch hier direkt mit dem Projekt verbunden. Die Geldgeber freuen sich über Gutscheine für beispielsweise Moorwanderungen oder Moorochsen-Produkte.

Fördermittel von EU und Land

Der Verein „Südburgenland plus“, der sein Leitbild in der Förderung der Lebensqualität in der Region sieht, hat dieses Crowdfunding-Programm 2019 aus der Taufe gehoben. „Die Initiative soll dazu dienen, das Potenzial und die Wertschöpfung des Südburgenlandes zu erhöhen. Dies wirkt sich auch positiv auf die Wirtschaftslage und Arbeitsplätze aus. Das große Ziel ist, Wirtschaft, Landwirtschaft, Gemeinden sowie soziale bzw. kulturelle Vereine bestmöglich mit der Bevölkerung bzw. der ‚Crowd‘, zu vernetzen“, erläutert Obmann LAbg. Walter Temmel. Der finanzielle Aufwand für die öffentlichen Informationskampagnen oder Beratungen ist fast zu 80 Prozent von der EU, zwölf Prozent vom Bund und zu acht Prozent vom Land Burgenland gefördert, der Rest stamme aus Eigenmitteln.

Weitere Projektinteressenten werden noch gesucht, das Projekt läuft noch eineinhalb Jahre.

www.crowdfunding-suedburgenland.at


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