Wettbewerb der Flugretter muss nun Gericht entscheiden

Nach der Ausschreibung des Landes Burgenland über die Vergabe von zwei Standorten für Rettungshubschrauber im Burgenland hat der Unternehmer Roy Knaus mit seiner Martin Flugrettung die Nase vorne. Die ÖAMTC-Flugrettung hat dagegen nun Einspruch beim Landesverwaltungsgericht (LVwG) eingebracht.
Peter SITAR / 29. Juni 2022
Foto: Heli Austria

Ab 2026 wird die „Martin Flugrettung“  als Notarzthubschrauber voraussichtlich auch im Landessüden eingesetzt.

 

„Achtung, Alarmierung für Christophorus 16. Motoradunfall auf der L387 bei Neuberg!“ So tönt es aus den Lautsprechern des Christophorus 16 Stützpunktes in Oberwart. Routiniert, aber nicht hektisch, begeben sich Pilot, Notarzt und Rettungssanitär zum Hubschrauber und sind innerhalb kürzester Zeit in der Luft und am Weg zum Einsatzort. Ein eingespieltes, hochprofessionelles Team, unter Führung des Stützpunktleiters Cpt. Fritz Wallner, das die Abläufe seit dem Jahr 2005 Tausende Male durchführt (siehe Kasten). Unfallfrei und mit großem Rückhalt bei der Bevölkerung, wie die über 500 Besucher beim Stützpunktfest am 25. Juni bewiesen.

Alarmglocken beim ÖAMTC

Doch auch in der Zentrale der ÖAMTC-Flugretter läuten nun die Alarmglocken schrill. Der Grund: Ende Februar hat das Land Burgenland ein Ausschreibungsverfahren für zwei Notarzthubschrauber im Burgenland, einen im Bezirk Oberwart und neu, einen in der Nähe des zu errichtenden neuen Krankenhauses bei Gols, ausgeschrieben. Am Freitag, den 17. Juni, wurde das Ergebnis bekannt. Erstgereihter ist die Martin Flugrettung des in Pongau in Salzburg beheimateten Unternehmens von Roy Knaus. Die Martin Flugrettung ist vor allem im Westen des Landes aktiv und betreibt dort mehrere Standorte. Zwar hatte der ÖAMTC bei drei von fünf Kategorien die Nase vorne, letztlich gab aber das finanziell günstigere Angebot von Martin den Ausschlag, wie seitens des Landes betont wurde. „Dagegen haben wir nun Einspruch beim Landesverwaltungsgericht eingebracht“, bestätigt ÖAMTC-Pressesprecher Ralph Schüller. Das LVwG muss nun innerhalb von sechs Wochen eine Entscheidung treffen.

Thema für den Landtag

Sturm gegen diese Vergabe läuft die Landes-ÖVP. Klubobmann Markus Ulram spricht von einer leichtsinnigen Entscheidung und kündigt für die nächste Landtagssitzung eine dringliche Anfrage an Landeshauptmann Hans Peter Doskozil an. Nach Ansicht der ÖVP sei der ÖAMTC der verlässlichere Partner und verweist auf Flugunfälle bei den Unternehmen des Erstgereihten. Auch soll dessen wirtschaftlicher Hintergrund durchleuchtet werden.

Große Freude bei Martin

„Wir freuen uns natürlich sehr, die Ausschreibung gewonnen zu haben“, sagt Roy Knaus, dessen Vater aus Rechnitz stammte. Denn es sei gar nicht so leicht, sich in Österreich gegen den Platzhirschen ÖAMTC durchzusetzen. Natürlich werde man jetzt das Verfahren abwarten und hoffe auf eine Bestätigung der Erstentscheidung. Der Vertrag des C 16 in Oberwart läuft noch bis Ende 2025, bis dahin werde man auch weiterfliegen. Warum man beide Standorte gleichzeitig ausgeschrieben habe, wird seitens des Landes damit begründet, man wolle für beide Standorte einen gemeinsamen Ansprechpartner haben.

Bei den Oberwarter Rettungsfliegern ist die Stimmung natürlich getrübt. Der leitende Flugrettungsassistent, Hans Peter Polzer, der seit 2005 dabei ist: „Wir haben stets unser Bestes gegeben und sind in der Region und bei den Menschen stark verwurzelt. Da tut es schon weh, wenn man nach 17 Jahren erfährt, dass man ausgetauscht werden soll.“ Man werde aber weiter mit vollem Einsatz und hochprofessionell für die Menschen weiterarbeiten. Bisher wurde das Nordburgenland von den Christophorus-Fliegern aus Wiener Neustadt oder Wien versorgt. Nun soll dort ein eigener Standort entstehen. Wo genau, ist noch unklar, vermutlich bei Zurndorf.


Wir hoffen auf eine
positive Entscheidung
des Gerichts in
unserem Sinne.

Ralph Schüller, ÖAMTC


Notarzt-Heli im Landessüden

Ausschlaggebend für die Errichtung eines Notarzthubschrauber-Stützpunktes in Oberwart war eine Serie von Unfällen zu Beginn der 2000er Jahre in entlegenen Gebieten im Bezirk. Daraufhin entschloss sich der damalige Gesundheits-Landesrat Peter Rezar (SPÖ), unterstützt vom leider viel zu früh verstorbenen Oberwarter Bürgermeister Gerhard Pongracz, dem Roten Kreuz und Hans Peter Polzer, einen Rettungshubschrauber für das Südburgenland auszuschreiben. Ursprünglich war dieser stationiert bei der Fleckvieh-Halle in Oberwart, bis 2006 der neue Stützpunkt vom ÖAMTC fertiggestellt wurde.

Wie es in Oberwart nach 2025 mit dem Standort weitergehen wird, ist unklar. Denn in der Erklärung des Landes vom 17. Juni heißt es dazu kryptisch: „Die genauen Notarzthubschrauber-Standorte stehen noch nicht fest.“ Ab 2026 wird es im Bezirk Oberwart einen Standort geben. Gerüchteweise wird da immer häufiger etwa Pinkafeld genannt.


Christophorus 16
Chefpilot Fritz Wallner und der leitende Flugrettungssanitäter Hans Peter Polzer sind Urgesteine des Christophorus 16 (ÖAMTC)

Einsatzbilanz des Christophorus 16 in Oberwart

2005 ……………………………… 468 (ab 1.5. 2005)
2006 ……………………………… 767
2007 ……………………………… 886
2008 ……………………………… 687
2009 ……………………………… 730
2010 ……………………………… 735
2011 ……………………………… 830
2012 ……………………………… 828
2013 ……………………………… 807
2014 ……………………………… 792
2015 ……………………………… 933
2016 ……………………………… 914
2017 ……………………………… 1.033
2018 ……………………………… 1.096
2019 ……………………………… 1.053
2020 ……………………………… 936 (Pandemie)
2021 ……………………………… 1095
2022 ……………………………… 615 (Stand Juni)
Gesamt bisher 15.206 Stand Juni 2022

45,5 % der Einsätze sind internistische und 11,9 % neurologische Notfälle. 6,2 % sind Haushaltsunfälle, 7,6 % Verkehrsunfälle, 4,7 % Arbeitsunfälle und 5 % Sport- und Freizeitunfälle. Ca. 63 % der Notfallorte lagen im Burgenland, 32 % in der Steiermark und 5 % in NÖ. Bei 77 % handelte es sich um sogenannte Primäreinsätze, 14 % waren Sekundäreinsätze, also Transporte von einem Krankenhaus in ein anderes und nur 9 % waren Fehleinsätze, das sind Einsätze bei denen es keine Notfälle zu versorgen gab.

Die 16 Notärzte unter der ärztlichen Leitung von Dr. Wilhelm Urschl kommen aus diversen Krankenhäusern, die 12 Notfallsanitäter unter dem leitenden Flugrettungssanitäter Hans Peter Polzer sind berufliche oder freiwillige Mitarbeiter des Österr. Roten Kreuzes. Die Piloten um Stützpunktleiter Cpt. Fritz Wallner werden vom ÖAMTC Flugrettungsverein zur Verfügung gestellt.

 

 

UPDATE 1. JULI 2022:

In der gestrigen, letzten Landtagssitzung vor den Sommerferien gab Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) überraschend bekannt, dass nun auch der Landesrechnungshof das Vergabeverfahren „Notarzthubschrauber“ überprüfen wird. Was eher ungewöhnlich ist. Denn nach der Ausschreibung des Landes, bei der die Martin Flugrettung als Erstgereihte hervorging, hatte der „unterlegene“ ÖAMTC den Landesverwaltungsgerichtshof angerufen, der binnen sechs Wochen entscheiden muss. Nun soll zusätzlich auch der Landesrechnungshof prüfen. Damit könnte es noch Monate dauern, bis es zu einer Entscheidung kommt.


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