Der Kampf ums Überleben

Hartberg und Oberwart liegen knapp 20 Kilometer auseinander. In beiden Gemeinden kämpfen die Innenstädte ums Überleben. Leerstände, Einkaufszentren in der Peripherie, Suche nach Attraktionen und der übermächtige Gegner Internet-Handel setzen den Betrieben immer schwerer zu. Und dann auch noch die Sache mit den Parkgebühren...
Peter SITAR / 30. September 2019

 

Zwei etwa gleich große Bezirksvororte und ein fast kaum zu stemmendes Problem: der Kampf ums Überleben der Innenstädte. Leerstände in beiden Orten, immer mehr Einkaufszentren am Ortsrand und die Frage der Parkraumbewirtschaftung im städtischen Bereich.

In vielen Punkten hat Hartberg im Vergleich zu Oberwart die Nase vorne. So verfügt die oststeirische Metropole über einen attraktiven, gewachsenen Altstadt-Ortskern mit Potenzial, während sich Oberwart architektonisch eher durch Beliebigkeit auszeichnet. Gemeinsam mit der Stadt Hartberg haben die dortigen Gewerbetreibenden für den Innenstadt-Bereich eine praktikable Lösung gefunden.

Dort kann man mit Parkuhr die ersten zwei Stunden gratis parken, im Parkhaus in der Alleegasse wurde ebenfalls eine kundenfreundliche Lösung von einer gratis Parkstunde gefunden. Aufgaben, die Oberwart alle noch bevorstehen. Zwar gibt es in der Innenstadt Kurzparkzonen, die aber kaum kontrolliert werden – was sich aber demnächst ändern soll.

Begonnen wird nun im Bereich rund um das Krankenhaus. Hier ist bereits das neue Parkhaus in Betrieb. Es dient vor allem den Spitalsmitarbeitern als Parkfläche. Rund um das Krankenhaus wird das Parken ab Herbst gebührenpflichtig werden, später auch in der Innenstadt – wurde zumindest angekündigt. Hier stehen die Gespräche zwischen Wirtschaft und Gemeinde noch aus. Ob die Parker rund um das Spital das Parkhaus auch nützen werden, ist fraglich. Für die leidgeplagte Röntgengasse (GHZ neben dem LKH), in der die Spitalsbesucher parken, wird es wohl kaum eine Entlastung bringen.

Wenn in Oberwart nun auch noch in der Innenstadt Parkgebühren eingeführt und kontrolliert werden, wird es für die Betriebe sicherlich noch härter. Damit der potenzielle Kunde die Parkgebühren schluckt und in der Stadt bleibt, braucht er attraktive Angebote. Politik und Wirtschaft müssten hier schon längst zusammenarbeiten. Ein politisch durchgepreschter Alleingang könnte die Wirtschaft noch mehr gefährden und den Einkaufszentren an der Peripherie die verbleibenden innerstädtischen Kunden zuspielen.

Doch was kann man tun? Ein Blick nach Hartberg:
Hartberg setzt beispielsweise massiv auf den Ausbau der Radwege und investiert mit Landesunterstützung Millionen. In Oberwart gleichen die Radwege eher einem Stückwerk. Schlecht gekennzeichnet, kaum durchgehende Verbindungen, etwa im Bereich der Hauptstraße.

Dafür wachsen im Westen der Stadt Einkaufszentren wie Pilze nach einem warmen Sommerregen aus dem Boden, während in der Innenstadt immer mehr Betriebe zusperren müssen. Schlimmstes Beispiel ist das EKO. Das einst pulsierende Einkaufszentrum mitten in der Stadt ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Leerstehende Lokale in der Überzahl, die letzten verbleibenden Mieter sind kurz vor dem Aufgeben.

Was Innenstädte zum Glück großteils noch haben, sind Frequenzbringer wie Ärzte, Apotheken, Gerichte, Ämter, Behörden oder Trafiken. Die alleine werden das Überleben aber dauerhaft auch nicht garantieren können. Es braucht mehr Geschäfte mit Alleinstellungsmerkmalen. Die fallen aber nicht vom Himmel. Hier sind Gewerbetreibende, vor allem aber die Gemeinden dringend aufgerufen, gemeinsam Konzepte zu entwickeln.

Und letztlich der Kampf gegen den Internet-Handel. Während die heimischen Gewerbetreibenden die volle Steuerlast zu tragen haben, zahlen die Großen der Internet-Branche kaum oder nur sehr wenig Steuern. Und diese oft im Ausland. Eine Leistungsverzerrung, die so rasch wie möglich abgestellt gehört.

Hartberg hat wenigstens noch einen Anschluss an den Personen-Bahnverkehr und will diesen mit einer Schnellverbindung nach Graz ausbauen. Oberwart seit 2012 nicht mehr. Warum weiß kein Mensch. Also sind die Bewohner verstärkt auf das Auto angewiesen.

Einen historischen Ortskern wird Oberwart nie bekommen. Aber wenn es der Stadtverwaltung gelingt, gemeinsam mit dem zweiten geplanten Hochhaus am Hauptplatz (H2 von der OSG) eine architektonisch ansprechende Stadtmitte mit einer Attraktivierung der Hauptstraße – etwa Begegnungszonen, mit viel Grün und Wasser – zu schaffen, könnte vielleicht eine Kehrtwende gelingen. Bevor man zum Museum wird.


Peter Sitar
Der Oberwarter Peter Sitar arbeitete jahrzehntelang im Medienbereich. Vor allem für den KURIER im Burgenland. Er war Ressortleiter im Printbereich, sammelte aber auch viel Erfahrung beim Aufbau der Online-Berichterstattung. Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren Politik, Chronik und Wirtschaft. Er ist Preisträger des burgenländischen Journalistenpreises.

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