Tage wie dieser

Feri TSCHANK / 25. Februar 2022

In unseren Schulen hält man immer noch an den Schulschikursen fest. Damit unser Junior zumindest kein blutiger Anfänger mehr ist, dachten meine Frau und ich, dass es gut wäre, im Vorfeld einen Schilehrer zu organisieren. Zu unserer großen Freude hat es unserem Sohn Spaß gemacht und auch der Schilehrer hat ihm Talent bestätigt. Aber dann kam die Katastrophe. Ein kleiner Sturz fast im Stehen, doch das Schienbein war gebrochen. Autsch und Weh, viele Tränen und Schmerzen, Vorwürfe, warum wir uns diesen Blödsinn haben einfallen lassen. Schön war in all unserem Kummer und Schmerz die Hilfsbereitschaft in St. Jakob am Walde. Da wurde sofort ein schifahrender Unfallchirurg organisiert, der sich das Bein angesehen hat und auch die Rettung war in kürzester Zeit vor Ort.

Im Krankenhaus Oberwart war man von außergewöhnlicher Freundlichkeit, die man eigentlich so gar nicht mehr gewohnt ist. Vom Röntgenologen über den Arzt bis hin zum Gipser, nur nette und beruhigende Worte für Kind und Eltern und auch das Gefühl, hier gut aufgehoben zu sein. Das gehört einfach einmal gesagt!

Was ich mich allerdings in diesem Zusammenhang schon frage, ist, warum man überhaupt Schiwochen macht.Warum bauen wir uns im Osten keine Eisstadien, wenn schon kein See zufriert und machen Eislaufwochen. Oder Mountainbikewochen, wo noch dazu am Geschriebenstein im Moment eine der tollsten Mountainbikestrecken Österreichs entsteht? Die Ruster Bucht künstlich einzufrieren, kann auch nicht mehr Umweltschäden verursachen und kosten, als halb Tirol künstlich zu beschneien. Warum ist man in unserem Schulsystem so unflexibel, dass es nicht und nicht möglich ist, einmal Eingeführtes zu ändern?

Über die Dummheit, Noten in der Volksschule einzuführen und den Kindern einen verzichtbaren Stress zu bescheren, will ich gar nicht reden. Auch nicht über die Idiotie, für sein Kind mit neun Jahren die Entscheidung treffen zu müssen, wie es mit seinem zukünftigen Leben weitergeht, denn die Auswahl der Schule ist ja dabei nicht unwesentlich. Wobei vielleicht schon die Entscheidung durch den Lehrer getroffen wurde, denn ein schlechtes Semesterzeugnis berechtigt nicht mehr zum Besuch einer maturaführenden Schule. Gratuliere, kann man da nur sagen. Schon was von Spätzündern gehört? Von Kindern, die ausnehmend intelligent sind, es aber einfach nicht im Schulalltag umsetzen können? Man muss auch eingestehen, dass viele Eltern ein Genie in ihrem Kind sehen, das halt nicht vorhanden ist. Wie immer man es dreht und wendet, in den nordischen Ländern muss man sich bis zum 15. Lebensjahr seines Kindes keinen Kopf machen, in welche Schule es fürderhin gehen wird. Lässt es mit seinen Kameraden zusammen und entlässt die Eltern aus der Verantwortung, vielleicht eine falsche Entscheidung treffen zu müssen. Warum ist das nicht und nicht möglich in unserem Land?

Gedanken an einen Freund

Während ich mich so vor mich hin ärgere, erreicht mich die traurige Nachricht vom Tod Toni Strickers. Uns hat eine jahrelange Freundschaft verbunden, die durch regelmäßige samstägige Saunabesuche ihren Ursprung hat. Wie oft war ich bei ihm zu Hause, habe Interviews gemacht, das eine oder andere Gläschen Rotwein getrunken und mit ihm über Gott und die Welt geplaudert. Er war ein ausnehmend liberaler Mensch und mit den klassischen Saunawitzen aus der untersten Schublade konnte er sich nie anfreunden. Ehrlich gesagt, hab‘ ich ihn ein paar Jahre nicht gesehen und jetzt tut es mir leid, ihn nicht noch einmal getroffen zu haben – sein typisches Lächeln zu sehen und über Musik zu reden.

Was er für das Burgenland getan hat, kann man nicht hoch genug einschätzen und ich hab mich anlässlich seines Todes gefragt, warum es bei uns nicht auch Ehrengräber gibt – so wie in Wien. Dann hab ich mir aber gleich wieder gedacht, Gott sei Dank gibt es die nicht, denn dann würden ganz sicher die Falschen drinnen liegen.

Wer jemals in der Bergkirche Donnerskirchen ein Konzert mit Toni Stricker und dem Michael Hintersteininger, seinem Begleiter auf der Gitarre, gehört hat, der weiß, wie es klingt, wenn man die Schönheiten und Eigenheiten eines Landes in Musik verpackt. Und wenn man dann noch vor der Kirche steht und hinunterschaut auf den Neusiedlersee, die Schwalben durch die Luft segeln sieht und die blaue Stunde beginnt, der wird das und diesen Moment des Glücklichseins nie vergessen. Aber seine langjährige Assistentin Traude wird schon dafür sorgen, dass sein musikalisches Erbe nicht vergessen wird, denn ihr hat er es vermacht und das ist gut so.

Davon abgesehen, blühen die Schneeglöckchen, die ersten Blumen treiben aus und an manchen Tagen spürt man schon einen Hauch von Frühling und auf den freuen wir uns wirklich alle. Denn wenn er auch nicht streng war dieser Winter und noch nicht vorbei ist, so war er gefühlt einer der längsten meines Lebens.

Alles Liebe, Ihr Feri Tschank



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