Trotz Gegensätze zueinanderfinden

Corona spaltet die Gesellschaft. Die Menschen gehen aufeinander los und oftmals entstehen daraus bedrohliche Situationen. Selbst in Familien ist die Spaltung deutlich zu spüren. In dieser Kolumne geht es nicht um Recht oder Unrecht. Es geht darum, wie Menschen wieder zueinanderfinden, trotz gewaltiger Differenzen. Es geht um Liebe.
Silvia MESSENLEHNER / 3. Jänner 2022
Foto©shutterstock_KieferPix

Wir haben es seit fast zwei Jahren mit einer unsichtbaren Bedrohung zu tun, auf die die Menschen unterschiedlich reagieren. Angst bestimmt das Verhalten. Jeder will den anderen von seiner Meinung überzeugen.

Schuldzuweisungen, Streit, Konflikte und Spaltung sind an der Tagesordnung – und das in jedem zwischenmenschlichen Bereich.

Und ich muss sagen, ich habe das in dieser Form noch nie in meiner Praxis erlebt. Eltern beschimpfen ihre erwachsenen Kinder, verstoßen sie sogar, lebenslange Freundschaften enden, Kollegen grenzen einander aus, Paar-Beziehungen gehen auseinander. Es herrscht ein enormer Druck und eine greifbare Angst in der Gesellschaft. Die Enttäuschungen sind groß. 

Der Körper ist in einer Dauer-Anspannung und muss sich irgendwann regulieren und entladen. Diesem Druck hält niemand stand. Und oftmals entlädt er sich dann an jemandem, der dafür verantwortlich zu sein scheint. 

Statt aufeinander zuzugehen, gehen die Menschen aufeinander los!

Beziehungen retten

Anleitung für ein respektvolles, wertschätzendes Miteinander in Beziehungen und Freundschaften: 

• Kommunizieren Sie in der ICH-Form – drücken Sie im Dialog Ihre Gefühle, Emotionen und Wahrnehmungen aus. Formulieren Sie Wünsche und Bitten.

• Bitte, Danke, Entschuldige sollte eine Grundhaltung sein.

• Unsere Meinung entspringt unserer subjektiven Wahrnehmung und unseren Erfahrungen. Das verleitet zu Interpretationen und Hypothesen. Gehen Sie vorsichtig mit Ihren Äußerungen um. 

• Vermeiden Sie DU-Botschaften. Sie enden meist in Schuldzuweisungen.

• Zeigen Sie Verständnis für die Situation des anderen. Auch wenn Sie gegensätzlicher Meinung sind.

• Sagen Sie Stopp, wenn jemand Ihre Grenzen überschreitet. 

• Sollte sich eine unterschiedliche Meinung auftun und es entstehen Schuldzuweisungen und Abwertungen, beenden Sie freundlich den Dialog: ,,Ich merke, wir haben unterschiedliche Haltungen zu dem Thema. Deshalb ist es besser wir beenden die Diskussion!“

• Sie können auch ein Wort vereinbaren oder ein Zeichen, dass Ihnen die Diskussion jetzt zu viel wird. Aber sobald es angewendet wird, muss die Diskussion beendet werden. 

TIPP: Unterlassen Sie dieses Thema, das Sie spaltet!

• Stoppen Sie das Gespräch auch, wenn Ihnen jemand seine Meinung aufdrängen will: „Ich respektiere und höre, was du sagst, aber ich denke anders darüber und bitte respektiere auch du das!“

Führen Sie keine Diskussion in der Emotion: „Lass uns später darüber reden, wenn du dich beruhigt hast.“

• Bleiben Sie auf der Sachebene! Nicht persönlich werden! Wenden Sie das vereinbarte Stopp-Wort oder -Zeichen an.

• Wenn Sie merken, dass Ihr Gegenüber aus Angst handelt oder eine Meinung vertritt, reagieren Sie verständnisvoll: „Ich verstehe deine Angst. Was können wir gemeinsam tun, um dir deine Angst zu nehmen?“ 

• Wenn es um fachliche Diskussionen geht, achten Sie darauf, ob Sie bereit sind zur Selbstreflexion oder ob es Ihnen nur darum geht, Ihre Meinung durchzubringen und Recht zu haben. Machen Sie den Vorschlag, dass Sie sich gemeinsam auf seriösen Plattformen informieren. Vergleichen Sie die Ergebnisse. Hinterfragen Sie auch Experten, deren Meinung Sie vertreten. Achten Sie auf seriöse Quellen! 

• Bedenken Sie: Was du nicht willst, das man dir tu, das füge keinem anderen zu!

Eine indianische Weisheit besagt: „Gehe hundert Schritte in den Schuhen eines anderen,

wenn du ihn verstehen willst.“

Wir Menschen neigen schnell dazu, das Verhalten anderer zu verurteilen. Dabei nehmen wir uns selten ausreichend Zeit, um uns in die Situation des anderen hineinzuversetzen.

Viele Missverständnisse und Konflikte könnten dadurch vermieden werden.

Eine Krise ist belastend. Lassen Sie es nicht zu, dass Sie liebe Menschen durch Hass, Spaltung und Angst verlieren. Seien Sie stärker. Betrachten Sie Ihren Nächsten durch die Brille der Liebe. Das verbindet. 


Silvia Messenlehner
Klinische Sexologin und Sexualtherapeutin
www.silviamessenlehner.at

Kommentare

Wieder zueinanderfinden!

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