Der perfekte Löffel

Zu dritt bewirtschaften sie den Sepplashof in Litzelsdorf. Jungpflanzen und Gemüse werden hier gezüchtet. Alles in Bio-Qualität, natürlich. Kommt man den 14 Hühnern, die hier leben, entgegen, überrascht das eine oder andere schon mal mit einem kleinen Kunststück. Am Sepplashof scheint die Welt doch ein kleines Stück mehr in Ordnung zu sein. Lukas Brandl ist einer der dreien, die hier wohnen. prima! hat ihn besucht. Natürlich wäre schon alleine der Hof an sich eine Geschichte wert. Aber wir sind hierhergekommen, weil Lukas Brandl einem unbeachteten Handwerk nachgeht. Und was daraus entsteht, verwenden wir alle täglich.
Nicole MÜHL / 27. August 2020 / Podcast am Seitenende
Foto: Lexi

Lukas Brandl ist einer der drei, die den Sepplashof in Litzelsdorf bewirtschaften. Und hier geht er auch seinem Hobby nach – dem Schnitzen von Holzlöffeln.

 

Glatt muss er sein. Und nicht zu breit – und auch nicht zu tief. Aber flach darf er auch nicht sein, denn sonst rinnt ja die Suppe davon. Es geht um Löffel. Gedanken darüber macht sich wohl kaum jemand. Lukas Brandl aus Litzelsdorf allerdings schon. Löffelschnitzen ist sein Hobby. Diese stille, unbeachtete Kunst, einen täglichen Gebrauchsgegenstand herzustellen, hat ihn schon seit dem Kindergarten erfasst. Wie besonders das ist, was er hier macht, das versteht man erst, wenn Lukas zu handwerken beginnt. Jedes Stück ein Unikat. Jedes Stück so lange bearbeitet, bis es für ihn perfekt ist. „Oder nahezu perfekt“, fügt er hinzu.

Im Holz liegt die Ruhe

Gesprächig ist Lukas Brandl grundsätzlich nicht. Aber wenn er an seiner Werkbank sitzt, dann wird er noch ruhiger. Das ist auch der Grund, warum er dieses Handwerk so sehr mag, denn es geht ihm um das Meditative. Darum, aus einem einfachen Rohstoff etwas Brauchbares und Sinnvolles herzustellen. In der Detailarbeit kann er sich dann schon einmal verlieren, denn feine Nuancen sind ausschlaggebend, damit der Löffel auch gerne verwendet wird. „Beispielsweise ist die Materialstärke ganz wichtig, damit er sich auch angenehm im Mund anfühlt. Und ich schnitze natürlich so lange an dem Löffel, bis er glatt ist“, erklärt Lukas Brandl. Schleifpapier oder Geräte verwendet er dafür nicht. „Das haben die Handwerker früher ja auch nicht gehabt“, ist seine Erklärung. Alles muss so sein, wie es die Tradition dieses alten Handwerks vorgibt. Eine Hacke, zwei Schnitzmesser – ein gerades und ein gebogenes für die Aushöhlung des Holzes – das ist die Grundausstattung, mit der Lukas Brandl arbeitet. Und auch dieses Werkzeug hat er selbst gemacht.

Angefangen hat Lukas Brandl mit dem Schnitzen schon im Kindergartenalter. Heute ist er knapp 30 Jahre. Die Freude, mit Holz zu arbeiten, ist geblieben und eigentlich kann man sagen, dass sie sein Leben geprägt hat. Tischler und Zimmerer hat er gelernt. Als Baumpfleger verdient er seinen Lebensunterhalt. Dadurch kann er aus dem Vollen schöpfen, wenn es um die Beschaffung des Rohstoffs für seine Schnitzereien geht. Denn das eine oder andere Holzabfallstück wird dann gerne mit nach Hause genommen. „Aber Holz ist nicht gleich Holz“, erklärt er. Hart muss es sein und feinporig. Denn je feinporiger, umso hygienischer ist das Endprodukt schließlich.

Seine Werke beginnen mit einem kleinen Löffel, den man für eine Prise Salz verwendet, über den Tee- und Kaffeelöffel bis hin zum Schöpflöffel. Eine besondere Herausforderung, wie Lukas Brandl sagt. „Weil das Holz durch die sehr starke Aushöhlung leicht springt“, erklärt er mit einem Nachsatz.

Freude haben vor allem werdende Eltern über einen Babylöffel. „Weil das ein natürliches Material ist und Eltern das besonders wichtig ist“, weiß Lukas Brandl. Es sind Menschen, die zurück zur Natur wollen, die seine Löffel kaufen. Solche, die kein Plastik verwenden wollen, „weil sie wissen, dass es sich in einer antihaftbeschichteten Pfanne auflöst und in der Nahrung landet.“ Und auch solche, die auch Metallbesteck eher ungern verwenden. „Und wenn ein Holzlöffel mal kaputt wird, dann kann man ihn mit einem guten Gefühl entsorgen, ohne die Umwelt zu belasten.“

„Weil es mich glücklich macht“

Natürlich könnte Lukas Brandl auch andere Dinge selbst herstellen. „Einen Tisch zum Beispiel. Ich habe ja zwei Handwerksberufe erlernt“, sagt er. Aber sich einfach irgendwo hinzusetzen – in einen Park etwa – und ein wenig zu schnitzen, das mache ihn glücklich. „Ein Stück Holz, mein Schnitzmesser – mehr brauch ich nicht“, sagt er.

Allein ist Lukas Brandl damit nicht. Zufällig entdeckte er vor zwei Jahren eine Veranstaltung, die für ihn einen Wendepunkt darstellte. Das „Spoonfest“ in England, in der Nähe von Manchester. Tagelang war er unter Gleichgesinnten. Und es gibt sie wirklich: Menschen, die das Löffelschnitzen zur Kunst erheben. „Tagelang konnte ich mich mit anderen über das Handwerk austauschen und staunen, wie professionell es andere beherrschen“, sagt er. Und dazugelernt hat er einiges. Über Techniken, altes Werkzeug und Design. Immer ein wenig getrieben vom Wunsch, noch detaillierter und genauer zu handwerken. Immer auf der Suche, den perfekten Löffel zu schnitzen.


Lukas Brandl wäre einer der Aussteller beim Kramuri am 26./27. September im Schloss Kohfidisch gewesen. Aufgrund der von der Regierung angeordneten Covid-Maßnahmen mussten die Veranstalterinnen das Kramuri absagen.


Lukas Brandl
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