„Du musst das Leben nehmen, wie es ist“

Er hat die burgenländische Diskotheken-Szene aufgebaut und langhaltig geprägt. Mohamed Lakfif, kurz „Mo“, hat das Nachtleben in der Region mit Fingerspitzengefühl und Mut immer wieder neu erfunden. Nun, mit fast 70, genießt „Mister P2“ seine Pension und hat seinen Rhythmus auf „Ruhestand“ umgestellt. Mit uns blickt er noch einmal zurück auf seine jahrzehntelange Tätigkeit in einer Branche, die man ohne Kreativität, Unternehmergeist und mentaler Stärke nicht überlebt.
Nora SCHLEICH / 26. August 2019
Foto: Nora Schleich

Mohamed „Mo“ Lakfif hat die Diskoszene im Südburgenland geprägt. Im Interview mit prima! Redakteurin Nora Schleich.

 

 

Fragt man Mo nach dem Lokal, das sein Herz bis heute am meisten berührt, nennt er das „Dreieck“. „Wenn du in Oberwart warst und nicht im „Dreieck“, dann warst du nicht in Oberwart,“ erzählt er ruhig. Anfang der Achtziger hat er im „Dreieck“ gekellnert, dann hat er es geführt und 1985 schließlich übernommen. Immer wieder hat er seine Gäste überrascht mit Aktionen wie einer „Schneebar“ im Winter, wo er drei LKW-Ladungen Schnee bringen ließ. Er war auch einer der ersten, der das Nachtgeschäft mit großer Terrasse im Freien und Grillabenden verbunden hat. „Die Hütte war bummvoll“, so der geschickte Geschäftsmann. Immer wieder hatte er das richtige Gespür für das, was die Leute wollten.

Der Erfolg barg aber auch seine Tücken. „Jeder wollte den Chef, also mich, im Dart schlagen – das hat gezogen. Und jeder wollte mit mir was trinken. Ich wurde zum Alkoholiker.“ Ein schwerer Autounfall in betrunkenem Zustand hat ihn paradoxerweise gerettet. „Ich habe mich in den Spiegel geschaut und zu mir selbst gesagt: der Alkohol oder du! Willst du leben, dann hör auf zu trinken!“ Seitdem trinkt er keinen Schluck. Im Nachhinein weiß er auch, dass ihn der Alkohol fast seine Ehe gekostet hat. „Dem Geschäft hat es anfangs geschadet – um 40 Prozent ging mein Umsatz zurück, aber für mich war der Schritt wichtig.“

Ein langer Weg

1973 wurde der gebürtige Marokkaner von seinem damaligen Chef nach Bregenz geholt. Der wollte in Marokko ein Lokal nach dem Modell seiner österreichischen Vorbilder eröffnen und brauchte einen Marokkaner dazu. Neue Gesetze haben dieses Vorhaben schließlich verhindert. Mo arbeitete also in Bregenz, lernte Deutsch und traf bereits ein Jahr später seine Frau, eine gebürtige Kemeterin. Sie wurde schwanger und auf Geheiß der Schwiegermutter zog die junge Familie ins Südburgenland. „Ende der siebziger Jahre war Arbeit knapp. Über das Arbeitsamt wurde mir ein Job in einem der damaligen In-Lokale in Wien vermittelt, im „Künstlerhaus“ am Karlsplatz. Die brauchten jemanden, der Arabisch spricht, weil viele Politiker und Botschafter mit internationalen Gästen ein und aus gegangen sind.“ Den damaligen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger durfte Mo dort zum Beispiel als Stammgast kennenlernen. Nach Schließung des Lokals blieb Mo nichts anderes übrig als die Wintersaisonen in fernen Schigebieten zu verbringen und in den Sommermonaten im Nordburgenland zu jobben – bis er Anfang der achtziger Jahre seine Erfolgskarriere im „Dreieck“ gestartet hat.

„Die Leute müssen über dich sprechen“

Im Nachtgeschäft müsse man sich immer etwas einfallen lassen. Immer wieder muss man sich neu erfinden und mit den richtigen Partnern kooperieren, um erfolgreich zu sein. 1993 eröffnete er das „P2“ in Stegersbach. „Gedroschen voll war das Lokal. Ein unmittelbarer Nachbar hat einen später notwendig gewordenen Umbau allerdings verhindert.“ Daher musste sich der gewiefte Geschäftsmann nach vielen erfolgreichen Jahren etwas Neues überlegen.

Zur Jahrtausendwende also eröffnete er das „P2“ in Markt Allhau. „Noch niemals hatte ich so viel Angst,“ gesteht er heute. Es war extrem, ein riesiges Projekt, das mit einer Eröffnung der Superlative gestartet hat. Eine Woche später standen bereits 1.200 Personen vor dem Aufsperren draußen vor der Tür und haben gewartet.“ Walhalla, Tequillaparty, Black Night und Neue Deutsche Welle, so waren die Wochen aufgeteilt. „In dieser Größenordnung muss man riskieren. Reggae zieht bei uns nicht und Jazz leider auch nicht“, so der Jazz-Fan. Bis zu 20.000 Freikarten hat er pro Monat ausgeschickt, mit Bussen wurde die Jugend von Parndorf bis Jennersdorf angekarrt, Sportler und Studenten haben gezogen. Das Konzept „Disko mit Stadel“ ging auf, ein Steingarten und ein echter Sandstrand draußen rundeten das Konzept ab. Dann kam ein Sommer, der etwas schwächer war als die vorherigen, und als er im Sommer darauf umbauen wollte, kam ein gutes Angebot, das „P2“ in Markt Allhau zu verkaufen.

„Der Appetit ist mir vergangen“

Dann kam Mattersburg. „Es war bürokratisch aufwendig und der Bezirk, mit seiner Nähe zu Wien, ist anders. Kofferraumparties kamen verstärkt auf, für die leeren Flaschen am Parkplatz, den Lärm und die Schlägereien war das P2 dann verantwortlich. Ständig Probleme mit der Polizei – ich habe mich nicht wohl gefühlt.“ Also hat er verkauft und ist in Pension gegangen. Die Sucht, noch einmal etwas aufzubauen, hat ihn aber nicht ruhen lassen. So hat er noch einmal gebaut, das „P2“ in Kemeten. „Ein Fehler. Oberwart ist noch nicht reif für nur einen Raum in einer Disko.“ Seit 2016 ist auch dieses Kapitel Geschichte, und seitdem ist Mo auch wirklich in Pension. Er beneidet seine Nachfolger nicht, denn die Zeiten haben sich geändert. „Früher haben Studenten am Wochenende gearbeitet, alleine die haben dutzende Leute angezogen. Heute dürfen sie nicht arbeiten, weil ihnen das vom Stipendium abgezogen wird. Also haben sie auch kein Geld, um auszugehen.“

„Kinder sind das Salz des Lebens“

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Mo trotz Pension wieder Lust auf das Nachtgeschäft bekommt, 80 Millionen Euro gewinnt und 200 Hektar Grund zur Verfügung hat, dann würde er ein Veranstaltungszentrum bauen. „Zurück zu den Wurzeln, das wäre mein Traum. Viel Unterhaltung mit Hotel und allem, was das Herz begehrt,“ schwärmt er. Aber er ist zufrieden. Er hat alles erreicht, was er wollte.

Heute steht er um sechs Uhr morgens auf, geht mit seinem Hund spazieren, kocht ab und an, wartet geduldig auf seine beiden Enkelkinder und resümiert sein Leben: „Ich bin froh, dass mich mein Weg hierhergeführt hat, auch wenn der Anfang nicht leicht war. Ich habe so viele Menschen kennengelernt, 55 Vereine gesponsert, Freunde gefunden. Aber am Ende tut man das alles für die Familie. Dank meinen Kindern weiß ich, wofür ich gearbeitet habe. Das größte Glück ist aber meine Frau. Sie war immer verständnisvoll. Ja, sie ist meine große Liebe.“


COUSCOUS REZEPT von MO LAKFIF
Zutaten:
• Rind  Lamm  oder Hühnerfleisch (ich nehme vom Rind das Beinfleisch )
• 2 Zwiebel, Karotten, Kohlrabi, Zucchini, roter u. grüner Paprika, Tomaten.... wer mag kann auch Kürbis oder jedes beliebigeGemüse nehmen...
• Thymian, Oregano, Salz, Paprikapulver, Kreuzkümmel, 2 Lorbeerblätter... wer mag kann auch etwas Suppenpulver dazugeben...

Zubereitung:
Das Rindfleisch in nicht zu kleine Stücke schneiden, das Huhn in Stücke teilen und im Topf scharf anbraten.
Das Fleisch herausnehmen im Öl den Zwiebel und den anderen Gewürze anbraten (aber Vorsicht, nicht verbrennen!)
Das Rindfleisch dazugeben, ebenso das in Stücke geschnittene Gemüse beimengen.
Mit etwas Wasser aufgießen abschmecken und den oberen Teil des Topfes (Sieb) draufsetzen.
3 Packungen Couscous in das Sieb leeren, Deckel drauf und etwa eine gute Stunde köcheln lassen. Der Couscous wird vom aufsteigenden Dampf gar.

Nach einer halben Stunde etwa die Hühnerteile dazugeben.
Der Couscous ist nach ca 1,5 Stunden fertig (Körner gehen etwas auf). Couscous in eine große Schüssel leeren mit der Gabel auseinanderteilen.

1/8 Butter und eine halbe Tasse Wasser mit Salz über den Couscous leeren und mit den Händen gut durchmischen.
Zwischen den Handflächen gut durchreiben damit die Körner nicht mehr kleben.
Dann gibt man den Couscous wieder in das Sieb und lässt es eine halbe Stunde nochmal dünsten.
Man nimmt eine große Platte richtet zuerst den Couscous an, danach kommt das Gemüse darauf und das Fleisch.

Die Platte wird mitten auf den Tisch gestellt, jeder nimmt seinen Löffel und isst von seiner Seite heraus.
Auf den angerichteten Couscous kann man übrigens noch ein paar Tropfen Arganöl darübergeben.

Guten Appetit!

Kommentare

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