Ein Kerl aus Schrot und Korn

Die Sonne scheint und lässt das Rot des Weines im Glas vor ihm noch ein bisschen mehr leuchten. Und wie könnte die Sonne auch nicht scheinen, wenn sich Othmar König mit seiner illustren Freundesrunde beim Buschenschank in Hartberg trifft? 88 Jahre ist er, aber nicht alt, sondern erstaunlich jung. Etwas schüchtern fängt er an zu reden. Seine Freunde sagen, er ist immer für andere da, aber von sich selbst sprechen, das liegt ihm nicht. Dabei hat er einiges zu erzählen.
Olga SEUS / 29. Mai 2019
Foto: Olga Seus

Johann Gremsl, Vorstand des TSV Hartberg, ist einer der engsten Freunde von Othmar König. Wie sehr man sich schätzt, zeigen die regelmäßigen Treffen.

 

 

Geboren 1931, im gleichen Jahr, in dem sein Vater die Bäckerei König gründete, wurde Othmar König die Leidenschaft zu diesem Handwerk – wie man so schön sagt – quasi „in die Wiege gelegt“. Es war daher auch klar, dass er daheim im Betrieb die Lehre machte, die er 1953 mit der Meisterprüfung abschloss. Im Gedächtnis geblieben ist ihm aber auch seine Zeit bei der Hofbäckerei Edegger-Tax, der ältesten Bäckerei von Graz, wo er seinen bäckerlichen Feinschliff erhielt. Ein Jahr hat er hier als Gehilfe gearbeitet. Alles wurde dort in Handarbeit gemacht – auch die „Handkaiser“. Der junge Bub vom Land kannte ja nur die „Semmel“ und tat sich schwer mit der Form. In der ersten Zeit wurde ihm vom Meister immer wieder gesagt, sein Gebäck sei gerade noch gut für die „hofseitige Auslage oder vielleicht noch fürs Blindenheim“. Doch Othmar König ließ sich nicht abschrecken, und nach zwei Monaten konnten seine Handkaiser mit denen der anderen locker mithalten.

Strenger Familienbetrieb

Als Sohn des Chefs wurde Othmar König im Betrieb daheim hart rangenommen. Nicht einmal an seinem Hochzeitstag gab es eine Ausnahme. Von 12 bis 14 Uhr musste er noch in der Backstube stehen. Um 16 Uhr gab er seiner Braut dann das Ja-Wort. Am nächsten Tag musste er ganz normal wieder arbeiten gehen. „Der Vater war streng“, sagt der heutige Senior dazu und setzt sogleich nach „aber gerecht“. Arbeiten musste er jedoch ordentlich – gerade als Sohn und Nachfolger. Nach der Arbeit in der Backstube fuhr er nachmittags noch für das Taxiunternehmen des Vaters, da es damals noch wenige Autos gab und sich damit „gut Geld machen ließ“. 20 Jahre lang war dies sein Tagesablauf. Aber Ehrgeiz liegt den Königs im Blut. Sein verstorbener Bruder Helmut gründete noch während seines Studiums eine Fabrik für Bäckereimaschinen. „Natürlich baute er da viel auf meine fachkundige Unterstützung, ich wusste schließlich genau, was in der Backstube gebraucht wurde“, so Othmar König stolz. Die Firma hat es immerhin von drei Arbeitern auf heute 700 Mitarbeiter gebracht.

Eiserne Disziplin

Getreu dem Motto der Sonnenuhr, nur die schönen Stunden zu zählen, will Othmar König schmerzenden Erinnerungen wie der Trennung von seiner Frau oder dem Tod der einen Tochter ausweichen. Heute findet er sein größtes Glück in seiner Enkelin und seinen fünf Urenkeln. Die sind zwischen vier und 20 Jahren. Den jüngeren macht der Uropa jeden Morgen das Frühstück und bringt sie zu Kindergarten und Schule.

Auch mit 88 Jahren ist der Vormittag von Othmar König fest verplant. Möglichst eine, mindestens aber eine dreiviertelte Stunde Sport am Tag, das muss schon sein. Mal ist es eine Walkingrunde, es kann aber genauso gut Turnen oder Gymnastik oder auch mal der eigene Hometrainer sein. Schließlich meint er, das sei das Geheimnis seiner erstaunlichen Fitness: „Disziplin haben und am Körper arbeiten.“ Mittags kümmert er sich zum Teil noch einmal um das Abholen der Urenkel. Dann gibt es eine Runde Schlaf – aber nicht erst seit dem hohen Alter. Dieser Rhythmus ist schon in aktiven Bäckersjahren entstanden, damit man am Abend „nicht gar so früh ins Bett muss“. Geändert hat sich nur die Aufstehzeit. Statt um vier Uhr früh klingelt jetzt der Wecker „erst“ eine halbe Stunde später, um vier Uhr dreißig. Das aber jeden Morgen.

Der Vereinsmensch

Am Nachmittag gibt es oft Treffen mit Freunden, meist in einem Buschenschank der Umgebung, so wie an diesem Nachmittag beim Pußwald in Hartberg. Der hat für seinen Freund gleich mal eine Torte gemacht. „Hobbybäcker“ steht darauf – der Spitzname von Othmar König im Freundeskreis, weil er, der die Bäckerei von 1966-2009 führte und dann wegen seines Ruhestandes verkaufte, eben nicht ganz das Teigkneten aufgab. Immer wieder stand er bis vor zwei Jahren in der Backstube seines Nachfolgers und half aus.
Zahlreichen Vereinen hat Othmar König im Laufe seines Lebens angehört. So war er 1946 der zweite eingetragene Fußballspieler des damals frisch gegründeten TSV Hartberg, wie Johann Gremsl, derzeitiges Vorstandsmitglied des TSV über seinen Freund und vor vielen Jahren auch Vorgänger im TSV-Vorstand zu berichten weiß.

Sport ist insgesamt ein Thema im Leben von Othmar König. Er spielte lange Tennis und würde es wohl heute noch tun, wenn ihm sein Orthopäde vor drei Jahren nicht Einhalt geboten hätte. Radfahren war auch ein Hobby, natürlich nur als „Amateur“, wie er bescheiden einwirft, aber zu zweit wurde ein eigener Radclub gegründet, und das Großglockner-Radrennen sei man auch jedes Jahr gefahren. Heute geht es Othmar König sportlich gesehen ruhiger an. Seit einiger Zeit zieht es ihn stärker in die Ebene. Am besten um den Neusiedlersee.

Der Lebemann

Viele Anekdoten könnte Othmar König mit seinen Freunden austauschen. Etwa dass er ein „harter Kerl“ war und sogar mitten im Winter täglich bei 30 Zentimeter Schnee barfuß vom Nachbarhaus, wo er wohnte, in die Backstube huschte. Oder dass beim Skifahren „der Othmar immer vorne fuhr und die ganzen Damen hinterher“.
Wer also nachmittags eine illustre Runde Junggebliebener beim Pußwald oder einem anderen Buschenschank im Hartberger Land sieht, kann sich ja einmal dazusetzen und zuhören. Langweilig wird einem da bestimmt nicht.


Othmar König beim Buschenschank mit seinen Freunden und Verwandten. Eine Schwester und zwei Brüder hat Othmar König.

Sein Bruder Helmut ist bereits verstorben. Der heute 88-Jährige war der zweite Fußballer des damals neu gegründeten TSV Hartberg – wie der Original-Spielerpass zeigt.

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peter.sitar@aon.at

Ein Hartberger Urgestein im Portrait

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