Mutiger Visionär

Er stammt aus Kemeten und sein Unternehmen ist weltweit im Schienenverkehr vertreten. Sein Netzwerk reicht bis Japan und dennoch würde er immer wieder in seiner Heimatgemeinde seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt aufbauen. Erwin Hochwarter ist Entwickler und Visionär. „Technik ist logisch“, sagt er. Deshalb findet er Lösungen für die verschiedensten Bereiche. Er kann gar nicht anders. Auch im Schlaf grübelt und entwickelt er.
Nicole MÜHL / 1. Februar 2021 / Podcast am Seitenende
Foto: Nicole Mühl

Erwin Hochwarter aus Kemeten hat ein weltweit tätiges Unternehmen für die Entwicklung von Teilen im Schienenverkehr aufgebaut. Partnerschaften sind für ihn das A und O in der Geschäftswelt. Sein Netzwerk ist international.

 

Wenn sich Erwin Hochwarter auf etwas in seinem Leben verlässt, dann ist es sein Verstand. „Und Mut“, sagt er. „Wenn du hinfällst, brauchst du ihn, um wieder aufzustehen und weiterzumachen.“ Und hingefallen ist Erwin Hochwarter oft in seinem Leben.

Alles auf Schiene

Sein Name steht im Schienenverkehr an oberster Stelle, wenn es um die Entwicklung, Forschung und Produktion von Bauteilen geht. Die H&P Trading GmbH (eine Tochterfirma der EH Holding) gilt bei Konzernen wie Siemens, Alstom, der Deutschen Bahn, der ÖBB oder etwa den Wiener Linien als Troubleshooter. Wenn im Schienenverkehr Ersatzteile oder Alternativen gefordert sind, wenn eine Verbesserung einzelner Elemente oder ein Redesign gewünscht wird, dann taucht weltweit der Name Erwin Hochwarter auf. Obsoleszenzmanagement heißt der Fachbegriff dafür.

„Dabei gibt es nichts, was wir nicht machen“, sagt der Unternehmer. „Vom Interieur über die Fenster, Türen, sogar die LED Leuchten in den Wiener U-Bahnen sind eine Entwicklung der H&P Trading in Kemeten. Der Kunde bekommt Lösungen und muss sich um nichts kümmern. In Fachkreisen ist die Dimension des Unternehmens bekannt. Das Netzwerk reicht bis Japan und in die USA.

Forschungseinrichtungen wie das Joanneum Research gehören zu den Partnern, mit denen Erwin Hochwarter entwickelt. „In der Gemeinde selbst“, glaubt der Unternehmer, „wissen sicher nicht viele, was wir hier machen.“ Erwin Hochwarter wirkt nicht wie der Big Player, dem man ansieht, dass er in riesigen Konzernen freien Zugang zu Werkstätten hat, in die sonst kaum eine betriebsfremde Person reinkommt. Jeans, Shirt, Trainingsjacke, Sportschuhe. So huscht er durch die Gänge seines Unternehmens. So ist er auch bei seinen Kunden vor Ort. Der Haarschnitt stammt vom Frisör im Ort. Abends und am Wochenende ist er mit Freunden und Familie in Kemeten unterwegs. Nach Dienstschluss geht er mit den Mitarbeitern gern auf ein Bier (wenn Corona es zulässt).

40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen europaweit. Neben dem Hauptsitz in Kemeten gibt es Standorte in Hamburg, Belgien, Holland, Frankreich und Schweden. „Der Großteil ist aber in Kemeten tätig“, sagt Erwin Hochwarter. 65 Prozent kommen direkt aus der Gemeinde.

Lebensweg

56 Jahre ist Erwin Hochwarter alt. Seinen Berufsweg hat er als gelernter Schlosser angefangen. 2003 hat er in Kemeten seine Firma gegründet. Direkt an der Hauptstraße bei der Ortseinfahrt. Als im Jahr 2000 in Kaprun 155 Menschen bei einem Brand in einem Zug der Gletscherbahn ums Leben kamen, entwickelte Erwin Hochwarter eine feuerfeste Bremsleitung. Er setzte sich bei der Ausschreibung gegen einen Konzern mit 12.000 Mitarbeitern durch und bekam den Auftrag. Bis zum heutigen Tag hat die H&P Trading etwa 13.000 Produkte entwickelt. „Daraus sind rund 5.000 Teile entstanden, die am Markt eingeführt wurden“, erklärt der Unternehmer. Die Entwicklungskosten trägt er immer selbst. Oft gehen diese in die Hunderttausende Euro und oft steckt darin eine Arbeitszeit von Hunderten Stunden. Die Vorleistungen sind enorm. „Aber dafür bleibt das Patent bei uns“, sagt Hochwarter. Bei Neuaufträgen ist er immer involviert. Auch wenn er ein Team hat, das auch ohne ihn funktioniert, wie er sagt. Aber ihn reizt die Herausforderung, Neues zu entwickeln. „Technik ist Logik“, sagt er. Und die funktioniert bei ihm auch im Schlaf. „Ich glaube, manchmal entwickle ich auch beim Träumen.“

Auf die Heimat bauen

An Kemeten hält er fest. „Von hier stamme ich ab. Hier bleibe ich“, sagt er. Dass ihm aber genau hier nicht jeder seinen Erfolg gönnt, stört ihn heute nicht mehr. „Jeder hat die Möglichkeit, etwas aufzubauen, das Risiko einzugehen und aus eigener Kraft zu versuchen, etwas zu schaffen“, sagt er emotionslos.

Im Gewerbegebiet baut er gerade zum zweiten Mal aus. Forschung, Entwicklung, Lagerung und Büros werden dann dort untergebracht. Eine Abwanderung wäre für ihn nicht in Frage gekommen. Die Kommunalsteuer zahlt er lieber seiner Heimatgemeinde. Etwas zurückzugeben, ist ihm wichtig, deshalb unterstützt er auch die Vereine im Ort, wo er kann. Die Überdachung am Sportplatz etwa hat er gesponsert. Für die Bevölkerung hat er kürzlich 1.600 Schutzmasken zur Verfügung gestellt. Bei all seinen Zielen will er immer Rücksicht auf andere nehmen und helfen. Das hat er sich selbst versprochen.

Hinfallen und mutig sein

Visionen sind wichtig, sagt er. Manchmal geht alles gut, manchmal eben nicht. Das gehört dazu. Wenn er von Rückschlägen erzählt, dann denkt er vor allem an seine Autounfälle.

Der erste 1998 um vier Uhr morgens. Auf der A2 ist es passiert, auf dem Weg zu einem Termin. Wie aus dem Nichts stand plötzlich der Tankwagen vor ihm – quer über die Autobahn. Der Fahrer, ein junger Italiener war eingeschlafen und gegen einen Brückenpfeiler gedonnert. Er war auf der Stelle tot. Als Erwin Hochwarter daherkam, waren wohl zehn Schutzengel mit ihm im Auto. Er rutschte mehr oder weniger unter der Achse durch und kam 20 Meter weiter mit sämtlichen Brüchen – aber lebend – zum Stehen.

Fünf Jahre später raste wenige Meter außerhalb von Kemeten ein junger Bursche frontal in sein Auto. Wieder war Erwin Hochwarter dabei völlig unschuldig. Der junge Mann kam von seiner eigenen Geburtstagsfeier. Er starb noch am Unfallort. Erwin Hochwarter konnte sich aus seinem brennenden Auto retten und überlebte ein zweites Mal.

Die Bilder haben ihn lange verfolgt. „Es sind nur Bruchteile einer Sekunde bis zum Aufprall. Aber in dem Moment bis zum Aufschlag, kommt es dir wie eine Ewigkeit vor. Du siehst dein Leben an dir vorbeiziehen“, sagt er.

Sein größter Erfolg? Erwin Hochwarter lächelt. „Ich lebe“, sagt er „und ich kann etwas bewegen.“ Weil er immer wieder mutig ist. Weil er immer wieder aufsteht und weitermacht.


Erwin Hochwarter

Er ist in Kemeten geboren und hat die Ausbildung zum Schlosser absolviert. In den 1980er-Jahren hat er Teile für Kameras gebaut und ist damit sogar bis nach Hollywood gekommen. Später hat Erwin Hochwarter Nachtsichtgeräte für das Militär gebaut und einen Maschinenhandel betrieben. 2003 hat er in Kemeten die H&P Trading GmbH gegründet. Seit Kurzem ist das Unternehmen ECM zertifiziert und ist damit eines der wenigen, das berechtigt ist, jegliche Arbeiten an Schienenfahrzeugen durchzuführen.

Neben der H&P Trading hat Erwin Hochwarter auch die H&P Care gegründet. Im Zuge dessen hat er eine Bettdusche für bettlägerige Menschen auf den Markt gebracht.

Im Vorjahr hat er ein Gerät zur Abtötung von Viren und Keimen in Räumen (auch Coronaviren) entwickelt. Erwin Hochwarter hat neben dem Obsoleszenzmanagement im Schienenverkehr unter anderem ein Gerät zu Erkennung von gefälschten Banknoten im Auftrag der Nationalbank und ein Gerät zur Identifizierung gefälschter Medikamente entwickelt. Seine Frau und seine beiden Söhne – beide Wirtschaftsingenieure – sind ebenfalls im Unternehmen tätig.

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Mit dem Standort direkt an der Ortseinfahrt Kemeten (von Oberwart kommend) hat Erwin Hochwarter die H&P Trading im Jahr 2003 gegründet.

Derzeit baut er bereits in zweiter Phase im Gewerbegebiet Kemeten eine Halle. Sein Unternehmen hat dann eine Größe von insgesamt 4.200m2.

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