Schöner Essen – Petra Lindenbauer trifft den Ton

Man kommt hier nicht her, weil man Geschirr braucht. Man kommt, weil man das Lebensgefühl, welches mit den exklusiven Sets mitschwingt, mit nach Hause nimmt. Bereits das Tor zum denkmalgeschützen Haus in Stadtschlaining gibt den Blick auf einen Innenhof mit besonderem Flair frei. Für die Basar-artige „Open Door Gallery“, für die Petra Lindenbauer jeden Freitag ihr Domizil öffnet, stehen die „Lucky Bowls“ aufgereiht und in kleinen Grüppchen bereit. 850 Gramm schwere Schüsseln, die durch Form und Haptik Wohlbefinden ausdrücken. Diese wohlige Aura setzt sich in der Werkstatt und dem Atelier der Keramikerin fort. Kauft man hier Teller, Schalen oder ein anderes Gefäß, bleibt man lange gedanklich mit der Künstlerin verbunden, immerhin sind ihre Werke tagtäglich die Plattform für das, was man zu sich nimmt.
Nora SCHLEICH / 1. Juli 2020 / Podcast am Seitenende
Foto: Nora Schleich

Wohl ist es der Zeitgeist, der Kunden in dieses Atelier führt. „Wo kommt mein Essen her? Wie möchte ich mich ernähren? Egal, ob üppig oder vegan, vieles ist mittlerweile eine bewusste Entscheidung. So hat sich auch der Stellenwert des Geschirrs, von dem ich esse, verändert. Niemand kommt hierher und sucht sich schnell etwas aus. Gemeinsam mit dem Kunden hinterfrage ich, was er braucht und was zu ihm passt.“ Quantität spielt keine Rolle, Qualität hingegen eine umso größere. Und so leisten sich immer mehr Menschen den Luxus eines maßgeschneiderten Sets von Petra Lindenbauer. Dabei werden oft neue Stücke mit im Haushalt bereits vorhandenen Tellern kombiniert.

„Der Kunde soll sich reduzieren, sich damit beschäftigen, was die Familie braucht. Dafür soll meine Keramik aber auch verwendet werden, am besten jeden Tag. Vor allem seit Corona schätzen die Menschen den Wert der Dinge wieder mehr, leben im Hier und Jetzt und arbeiten nicht mehr nur auf den Urlaub hin,“ so die Keramikerin. Sie betrachtet jedes Stück eines Sets als Einzelstück und geht in der Spitzengastronomie sowie auch für Privatkunden auf Koch, Kochstil und den umgebenden Raum ein.

„Wie bei einem Instrument lasse ich den Ton mitschwingen“

Die Keramikerin bindet das Material maximal ein. Durch die Dynamik des Tons ist sie mit dem Element der Erde verbunden, was sich farblich in Erdtönen niederschlägt. Inspiriert werden ihre Werke durch die vielen Reisen und den Austausch mit anderen, internationalen Künstlern. „Die Balance zwischen reinen Kunstobjekten, die ich herstelle, und funktioneller Keramik macht meine Arbeiten aus. Jedes Geschirr soll über einen normalen Teller hinausgehen was Praktikabilität, Schönheit und Haptik betrifft.“ So hat jedes Gefäß seine eigenen Proportionen. Dimensionen werden an die Bedürfnisse des Kunden angepasst, ebenso die Farben. „Bei mir kauft man nicht schnell ein Service. Es ist wie bei Schmuck, mit dem man lebt“, so die Künstlerin.

„Als hätte ich bei den Philharmonikern gespielt“

Die Gefäßkeramikerin hat keinen Online-Shop. Sie arbeitet kundenbezogen und fertigt personalisierte „Tableware“, also Tischkeramik, an. Zu ihren Kunden zählen Spitzengastronomen wie das Steirereck, das Restaurant Silvio Nickol im Palais Coburg, Konstantin Filippou oder das Gourmetrestaurant „Aend“. Seit Corona hat sich aber vieles verändert. Bereits getätigte Großaufträge wurden auf Eis gelegt. „Vor Corona habe ich vergleichsweise bei den Philharmonikern gespielt. Für die Spitzengastronomie Kreationen zu designen, war sehr schillernd und gleichzeitig anspruchsvoll, das Publikum hat jede Facette meiner Arbeit wahrgenommen, jeden Ton gehört. Nun kann ich aber endlich wieder für private und regionale Auftraggeber da sein, was tolle neue Themen und Herausforderungen bringt“, sagt Petra Lindenbauer mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Vor allem für „große, maßgefertigte Gemeinschaftsgeschenke“ bietet sie nun die ideale Anlaufstelle.

„Wenn man offen ist, ergibt sich vieles“

Die gebürtige Oberösterreicherin hat es nach Stadtschlaining verschlagen. Sie ist viel gereist in ihrem Leben und hat das Südburgenland durch einen Freund kennengelernt. Auch wenn viele Kunden im urbanen Raum zu finden sind, zeigt sich die Provinz als interessanter und guter Boden, mit der Nähe zu Wien und der dennoch notwendigen Distanz zu Ballungszentren. „Die Erwartungshaltung eines Zuzüglers muss realistisch sein. Die Gegebenheiten muss man annehmen und damit leben. Hier im Südburgenland gibt es vieles nicht. Aber viel Einzigartiges und Besonderes bietet sich in üppiger Fülle!“ Die positiven Seiten des Landlebens haben die Keramikerin in gute künstlerische Schwingungen versetzt. Und die Region kann sich zu Nutzen machen, dass Petra Lindenbauer nun hier lebt und arbeitet, indem wir das Lebensgefühl, welches ihre Keramik ausstrahlt, in Form von Tellern, Schalen und Gefäßen mit nach Hause nehmen.

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Petra Lindenbauer

Lucky Bowls
Lucky Bowls von Petra Lindenbauer.


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