Sonja, Hüterin der Ringwarte. Ein Portrait.

Sie gilt als Wahrzeichen Hartbergs, die „Wirtschaftsregion Hartberg“ hat sie stilisiert gar als Wappen auserkoren (prima! hat berichtet). Und sie steht auf geschichtsträchtigem Boden: Zu ihren Füßen wurden Reste einer Hallstattlichen Keltensiedlung gefunden, also aus einer Zeit etwa 800 v.Chr. Aber auch bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde ihr Hügel mit seiner exponierten Lage für Signalfeuer genutzt. Die Rede ist natürlich von der erst 1906 unter Raimund Obendrauf erbauten Ringwarte. Bei so einer Geschichte nimmt es kein Wunder, dass auch die Hüterin der Warte ein besonderer Mensch sein muss: Sonja Derigo.
Olga SEUS / 26. August 2019
Foto: ringwarte-leuchten-tiger-und-bär-001_Leuchtturm-WRH

Obwohl sie erst seit 2016 selbst die Pächterin der Jausenstation ist, ist Sonja für viele Hartberger das Gesicht der Ringwarte und mit dem Turm untrennbar verbunden. Dabei hat sie in ihrem Leben schon viel gemacht. Vor 60 Jahren in Eibiswald geboren und aufgewachsen, war sie 22 Jahre in einem Grazer Pharmazieunternehmen und „hätte das nicht geschlossen, wäre ich wohl heute noch dort“. Doch Sonjas Weg sollte noch mehr Stationen beinhalten: Pflegehelferin in einem Altersheim war sie, in der H2O-Therme hatte sie gearbeitet, und eineinhalb Jahre führte sie einen Imbiss in Hartberg. 2012 begann sie dann schließlich als Angestellte in der Jausenstation bei der Ringwarte beim damaligen Pächter. Der Rest ist Erfolgsgeschichte: Sonja hat die Speisekarte und die Öffnungstage erweitert; die Ringwarte ist unter ihrer Führung nun während der Saison täglich bei nahezu jedem Wetter geöffnet.

Sonja ist für alle da

Dem davor eher eingeschlafenen Ausflugsziel hat das gut getan: Pärchen und Familien, Hundebesitzer und Radsportler und sehr viele Stammgäste kommen, um die Warte und vor allem aber ihre Hüttenwirtin zu besuchen. Die ist regelmäßig an fünf Tagen die Woche selbst hier, nur für Vorbereitungsarbeiten (wie die absolut empfehlenswerte Gulaschsuppe vorkochen) und um Zeit für Privates zu haben, kommt für zwei Tage pro Woche eine Angestellte. Bei Großveranstaltungen wie Grillen oder Kesselgulasch findet man natürlich beide.

Wie eine große Familie

Was Sonja an ihrem Arbeitsplatz schätzt? Ihr Blick allein gibt Antwort. Glücklich und zufrieden. „Die Atmosphäre; in der Natur zu sein; dass wir alle hier oben wie eine große Familie sind“, fängt sie zu schwärmen an. Wer schon einmal bei ihr war, kann das bestätigen: Die Wirtin ist aufmerksam und interessiert, nimmt sich Zeit, Speisen liebevoll zuzubereiten, aber auch genauso, wenn keiner warten muss, sich dazu zu setzen, Neuigkeiten auszutauschen oder einfach nur die Gegend zu genießen.

Ein Arbeitsplatz mit Aussicht

Apropos genießen? Kann man, wenn man neben der Ringwarte arbeitet, den Ausblick überhaupt noch bewusst wahrnehmen? „Gezwungenermaßen bin ich oft oben, schließlich muss ich die Warte warten. Und tatsächlich, das Fernglas ist stets dabei. Ich liebe den Ausblick jedes Mal aufs Neue!“ schwärmt Sonja regelrecht von ihrem Arbeitsplatz.

Saisonende: der wohl verdiente Ruhestand

Wen wundert es, wenn sie jetzt schon wehmütig ist, denn der Abschied naht mit Ende der Saison. Der Ruhestand winkt, und auch wenn Sonja zu ihren Plänen spontan vor allem sagt: „Erholung, Urlaub, ausspannen. Gesund sein und bleiben“ so setzt sie doch nach, dass sie ‚ihrer‘ Warte mit Sicherheit treu bleiben wird. „Und wenn meine Nachfolgerin bzw. mein Nachfolger mich brauchen sollte, bin ich natürlich da. Selbstverständlich!“


Sonja Derigo ...
betreibt noch bis Ende der Saison den Imbiss neben der Ringwarte in Hartberg.

Wenn Sonja aus ihrem Erfahrungsschatz plaudert, kommen allerlei Geschichten zum Vorschein: Etwa wie es eine Verlobung auf dem Turm gab, die allerdings nie in eine Hochzeit mündete. Oder wie zwei fesche junge Frauen extra aus Deutschland angereist kamen, um sich auf dem Turm trauen zu lassen. Oder wie immer wieder Sonnenaufgangsanbeter morgens zum Sonnenaufgang auf die Ringwarte hinauf pilgern.

Wie ihre Verwandtschaft mit 3 Autos extra angereist kam, um sie auf ihrer Warte zu besuchen. Wie viel Unterstützung sie in diesem Sommer nach ihrer Schulterverletzung erfahren hat von Bekannten, die sie in ihrer Tätigkeit auf der Ringwarte erst kennen gelernt hat. Hochgehen und sich einmal dazu setzen und der Hüttenwirtin zu lauschen, lohnt sich auf jeden Fall! Noch bis Ende Oktober findet man Sonja Derigo auf ‚ihrer‘ Warte an.

Infos auf der Homepage: www.ringwarte.at

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Ein Portrait von Sonja Derigo.

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