„Wir sind strukturierter!“

Sie sind klug, selbstbewusst und Schwestern. Stehen voll im Leben, managen einen 80 Mann-Betrieb und empfehlen den Frauen mehr Mut. Dagmar Ajtic und Esther Lang aus Friedberg im Portrait.
Christian KEGLOVITS / 28. Jänner 2020
Foto: Andreas Bruckner

 

Dagmar Ajtic und Esther Lang aus Friedberg.

 

Dass die beiden nun die international tätige Kunststofftechnik- und Werkzeugbaufirma E.L.T. in Friedberg leiten, war von ihnen weder geplant, noch wurde es vom Vater erwartet.

Mittlerweile ist das Unternehmen Teil ihres Lebens – ein Vorzeigebetrieb in Sachen Innovation, Teamgeist und Lehrlingsausbildung. Als der Vater, ein studierter Techniker, den Betrieb im Jahr 1995 gründete, war Esther gerade einmal zwei Jahre alt, Dagmar 12 Jahre alt. Beide hatten in Friedberg eine sorglose Kindheit, in Oberwart die HBLA absolviert und grundsätzlich andere Pläne. Die väterliche Firma wurde in den Ferien zur Praktikumsstelle.

Zuerst für Dagmar, dann für Esther. Dort „hängengeblieben“ sind letztlich beide. Dagmar im Qualitätsmanagement und Esther in der Buchhaltung. „Unser Vater hat uns mit der Zeit immer mehr zugetraut. Er hat uns Aufgaben gestellt, an denen wir wachsen mussten, aber auch konnten.“ Daraus entwickelte sich ein erfolgreiches Dreiergespann. Inzwischen hat sich der Vater aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, um fortan mit Rat, Erfahrung und als Opa zur Verfügung zu stehen.

Vormittags Chefin, nachmittags Mutter

Dann kann es schon vorkommen, dass er mit seinem 15er Steyr mitsamt den Enkeln im Betrieb vorbeischaut, um die Mama zu besuchen. Denn Dagmar ist vormittags Geschäftsführerin und nachmittags Mutter eines dreieinhalb- jährigen Sohnes sowie einer eineinhalb-jährigen Tochter. Wobei, so strikt lässt sich das natürlich selten trennen, und dass sie überhaupt wieder ins Büro kann, geht nur dank Kinderdienst der Eltern und der Schwiegereltern.

Bei Esther sind Kinder derzeit noch kein Thema, dafür arbeitet ihr Mann im gleichen Betrieb, was auch eine Herausforderung sein kann, wenn man Berufliches von Privatem trennen will. „Es gelingt uns nicht immer, eigentlich fast nie.“ Zum Stress wird die Firma aber für beide Schwestern trotzdem nicht: „Es ist eher ein Stress, wenn du länger nichts von der Firma hörst. Das ist ähnlich wie mit den Kindern zu Hause. Wenn es ruhig wird, dann muss man einmal nachschauen gehen, sie könnten ja was angestellt haben.“

Als Chefinnen gut angeschrieben

Was natürlich nicht vorkommt – im Gegenteil, gemeinsam mit ihrem Vater haben die beiden jungen Geschäftsführerinnen den in den letzten Jahren rasch wachsenden Betrieb behutsam, aber doch auf neue Beine gestellt, sprich ins digitale Zeitalter geführt und so fit für die Zukunft gemacht.

Was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Dagmar und Esther schätzen? Durchhaltevermögen, dass man sich auf sie verlassen kann und dass die beiden keinen Anspruch auf Allwissenheit stellen. „Wir kennen unsere Grenzen und schätzen die Expertise unseres Teams“, so Dagmar.

Typisch für einen weiblichen Führungsstil? Nicht unbedingt. „Unser Vater hat uns das im Betrieb mit auf den Weg gegeben“, so Esther, um dann doch eine typisch weibliche Eigenschaft hervorzuheben, welche die beiden allein schon wegen der sich rasch ändernden Rahmenbedingungen einbringen: „Wir sind strukturierter und schaffen so den kreativen Spielraum, den z.B. unsere Techniker brauchen.“

Keine Sensibelchen

Als Führungskräfte sind Dagmar und Esther voll akzeptiert – beim Team und auch bei Kunden und Lieferanten. Wiewohl schon der eine oder andere männliche Geschäftspartner die Kompetenzen der beiden Neo-Chefinnen testen wollte, was diese wiederum sportlich nehmen. Und überhaupt – als Sensibelchen kommt man in der Privatwirtschaft ohnehin nicht weit. Anderen Frauen raten sie, mutig zu dem zu stehen, was man kann, Rückschläge zu akzeptieren und Herausforderungen nicht zu scheuen. Wie man an den beiden sieht, ist da was dran.


Dagmar Ajtic und Esther Lang

Die bessere Lösung als stete Herausforderung von E.L.T.

Der oststeirische Spezialist für Kunststofftechnik und Werkzeugbau ist auf Erfolgskurs – und auf der Suche nach Lehrlingen und Facharbeitern.

Die Produkte des in Friedberg ansässigen Unternehmens findet man in Premiumautos deutscher Hersteller genauso wie in elektrischen Schaltschränken oder medizintechnischen Geräten in Krankenhäusern. Und wenn ein Kunde eine individuelle Lösung sucht, die eine komplizierte Form erfordert, dann kommen die Spezialisten von E.L.T. erst recht in Fahrt, denn die Bewältigung kniffliger Aufgaben sehen sie als stete Herausforderung. Zu dieser gehört auch die Auftragsforschung für so renommierte Einrichtungen wie die Montan-Uni Leoben, FH Joanneum, Kepler Uni Linz oder das Fraunhofer Institut in Deutschland.

1995 von Dr. Friedrich Zitz gegründet hat sich E.L.T. auf die Herstellung von Kunststoffspritzgussformen sowie auf die Fertigung von technischen Kunststoffprodukten spezialisiert und zu einem innovativen und höchst erfolgreichen Nischenplayer gemausert. Namhafte Kunden in Österreich, in anderen Ländern Europas, aber auch in den USA und China, schätzen die hohe Fertigungsqualität von E.L.T. So ist das Unternehmen auch innerhalb kurzer Zeit sehr schnell gewachsen – von 30 MitarbeiterInnen im Jahr 2015 auf derzeit 80 MitarbeiterInnen an den beiden Betriebsstandorten in Friedberg und Sebersdorf. Um den eigenen hohen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, legt man seit jeher großen Wert darauf, Lehrlinge und Fachkräfte im Betrieb selbst auszubilden.

Das schlechte Image, das dem Kunststoff als Material in Zeiten wie diesen anhaftet, erschwert zusehends die Suche nach Lehrlingen und Fachkräften aus der Region. Dabei produziert E.L.T. weder Plastiksackerl noch billige Wegwerfware, sondern Spezialteile, in denen viel Know How steckt und die Menschen das Leben erleichtern sollen – erst recht wenn man an den Bereich Medizintechnik denkt. Diesen möchte man bei E.L.T. in Zukunft noch stärker in den Fokus nehmen, weshalb auch die Etablierung eines Produktionsstandortes in Übersee geplant ist. Dafür und um für die steigende Nachfrage aus Europa gerüstet zu sein, sucht man bei E.L.T. Verstärkung auf allen Ebenen – vom Lehrling über einen Betriebstechniker, bis hin zur Führungskraft.

Bei E.L.T weiß man sehr genau, dass man den MitarbeiterInnen auch das nötige professionelle Umfeld bieten muss. So legt man im Team großen Wert auf ein kollegiales Miteinander und auf eine Atmosphäre, in der man tüfteln, aber auch präzise arbeiten kann. Komplizierten Aufgabenstellungen begegnet man mit Neugierde und Entdeckergeist. Der Maschinenpark wird laufend modernisiert, und mit der Stadtgemeinde Friedberg ist man in engem Kontakt, um MitarbeiterInnen mit Kindern eine optimale Betreuungslösung anbieten zu können.

Hinter all dem steht eine umsichtige Unternehmensführung, allen voran Firmengründer Dr. Friedrich Zitz und seine beiden Töchter Mag. Dagmar Ajtic und Esther Lang. Mit deren Einbindung in die Geschäftsführung wurde die strategische Übergabe an die nächste Generation eingeleitet.


Kommentare

„Wir sind strukturierter!“

Einen Kommentar hinterlassen: