Auswanderer aus unserem Land

Auswanderer! Gerade im heurigen Jahr, in dem wir 100 Jahre Burgenland feiern, sind ihre Geschichten besonders interessant. Herbert Rehling aus Bad Tatzmannsdorf beschäftigt sich seit fast drei Jahrzehnten mit Ahnenforschung. Anlässlich des besonderen Jubiläums unseres Landes wird er ab dieser Ausgabe vom einen oder anderen Einzelschicksal erzählen. So wie über jenes von Theresia Neubauer aus Drumling ...
Herbert REHLING / 1. März 2021
Foto: http://www.craigslostchicago.com/lost-mfg.php

Die Union Stock Yards in Chicago. Das Großunternehmen der Fleischindustrie machte Chicago zwischen 1865 und 1971 als „Schweineschlächter für die Welt“ bekannt. Hier fanden viele Auswanderer Arbeit. (Bild aus http://www.craigslostchicago.com/lost-mfg.php)

 

In kaum einer Familie gibt es sie nicht – die Ahnen, die irgendwann einmal nach Amerika ausgewandert sind. In meiner Familie war es eine Schwester meiner Großmutter mütterlicherseits: Theresia Neubauer, geboren in Drumling (heute Ortsteil von Stadtschlaining). Sie ist nämlich im Jahr 1921 – also im „Geburtsjahr“ des Burgenlandes – in die USA gereist – und ihre Geschichte passt gut zum Jubiläum.
Erstmals hatte sich Theresia bereits 1902 als 18-jähriges Mädchen über den großen Ozean gewagt, begleitet von weiteren Landsleuten. Von Bremen ging die Fahrt auf der Main, einem damals modernen Dampfschiff, nach New York. Theresias Endziel war Chicago im Bundesstaat Illinois, seit Jahren Anziehungspunkt für viele Immigranten aus aller Welt. Chicago bot eine Vielzahl an Arbeitsmöglichkeiten, die unseren Landsleuten zu Hause fehlten, insbesondere die riesigen Fleischhallen, in denen Fleisch auf Fließbändern verarbeitet wurde. Theresia traf es nach den üblichen Anfangsproblemen gut. 1906 heiratete sie einen Deutschen namens Wilhelm Proetz und wurde allmählich recht wohlhabend. 1921 weilte sie auf Heimatbesuch im Burgenland, das gerade erst „entstanden“ war, und kehrte auf der Rotterdam, einem Passagierschiff der Holland-American Line, wieder in die Staaten zurück. 1930 und noch einmal 1937 kam sie zurück in ihre geliebte Heimat, mittlerweile als „die reiche Tante aus Amerika“ bekannt.
Anfang der 1960er-Jahre besuchte Theresia ihre alte Heimat zum letzten Mal und blieb einige Wochen bei uns. Wie sie erzählte, war sie im Besitz einer Tankstellen-Kette in Florida und immens reich. Bei ihren Verwandten hierzulande hinterließ sie einen zwiespältigen Eindruck, war sie doch offenbar stark von einer religiösen Sekte beeinflusst. Nicht lange nach ihrer Rückkehr nach Florida wurden wir von Tante Theresias Ableben informiert. Ihr gesamtes Vermögen hatte sie dieser Sekte vermacht, und ihre zahlreichen Verwandten in den Staaten und im Burgenland gingen leer aus.
Am Beispiel von Theresia Neubauer ist u.a. die Heimatverbundenheit vieler Auswanderer zu sehen. So manche kamen gern in ihr Heimatland zurück, sofern sie es sich leisten konnten und nicht wenige kehrten als „Rückwanderer“ zurück.

Herbert Rehling


Arbeiter am Fließband in den Union Stock Yards.
Bild aus https://www.wikiwand.com/de/Union_Stock_Yards, Copyright by H.O., White Co.

Theresia Neubauer

 

Herbert Rehling

geb. 1946 wohnt in Bad Tatzmannsdorf. Er war Lehrer am Gymnasium Oberschützen für Mathematik, Physik und Chemie und war 25 Jahre bei Siemens PSE unter anderem in der Software-Entwicklung tätig. Seit 1992 beschäftigt er sich mit Ahnenforschung. Ebenso mit Naturwissenschaften, Religionen und Geschichte. Er ist Autor des Buches: „Die BIBEL – Das steht wirklich drin?“

www.rehling.weebly.com
https://www.facebook.com/BibelEndlichVerstehen


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