Bis die Wadeln glühen

Endlose Weite und sanfte Hügel, dafür ist das östlichste Bundesland in Österreich bekannt. Mit familientauglichen Radwegen durch die malerische Landschaft erobert das Burgenland gerade den Titel, das „Radland Nummer Eins“ zu sein. Zukünftig kommen aber auch adrenalindurstige Mountainbiker auf einer europaweit einzigartigen Downhill-Strecke auf ihre Kosten, die gerade auf dem Geschriebenstein errichtet wird. prima! auf Lokalaugenschein der Baustelle, die Ende Mai fertiggestellt werden soll. In die Pedale, fertig, los!
Eva Maria KAMPER / 31. März 2022
Foto: Eva Maria Kamper

Wohlgemerkt, bergab im Wald ist bestimmt keine „gmahde Wiesn“. Das abwärts Radeln im kurvigen Gelände erfordert schon eine gewisse körperliche Geschicklichkeit, sowie Koordination und Ausdauer. Auf den sogenannten Mountainbike-Trails – im Einbahn-System mit ausgewiesenen Schwierigkeitsstufen – werden die Wege hier am Geschriebenstein aber so aufbereitet, dass dem Fahrvergnügen nur ein minimales Risiko von Hindernissen entgegensteht. Und genau das ist es, was den Reiz ausmacht: „Der Einklang mit der Natur. Trails, angepasst an die natürliche Topographie, eingebettet in Hohlwege, mit spektakulären Übergängen und immer voller Überraschungen: feine Lines, smoothe Jumps und unendliche Weitblicke“, schwärmt Philipp Nehrer, der das Konzept gemeinsam mit seinem Vater und seinen beiden Brüdern entwickelt, und den Landeshauptmann Hans Peter Doskozil mit seinem Vorschlag überzeugt hat. Getragen wird das Projekt vom Tourismusverband Südburgenland unter der Obhut von Martin Ochsenhofer, der auch für die Realisierung eine tragende Rolle spielt.

So konnte am Geschriebenstein, der im Günser Gebirge eingebettet ist, dieses Mountainbike-Paradies baulich besonders sanft umgesetzt werden, also „minimal-invasiv“, im Sinne der Natur: „In stärker gebirgigen Gegenden werden die Hänge den Trails oft zwangsweise angepasst, das heißt, es müssen Bagger zuerst massive Eingriffe in der Landschaft vornehmen und Trassen vorinstallieren, bevor man die Mountainbike-Strecken anlegen kann“, weiß Philipp Nehrer und lässt seinen Blick durch den Wald des Geschriebensteins schweifen. „Hier war das nicht notwendig, da sich die Gefälle perfekt für die Bedingungen eines Mountainbike-Trails eignen. Da war ein kleiner Bagger mit nicht mal zwei Tonnen ausreichend, der auf 80 Zentimeter Breite eingestellt war. Grobe Steine raus, Erde wieder drüber. Viel mehr Erdbewegung war da als Eingriff nicht notwendig und das Gelände wird optimal ausgenutzt.“

An alle Levels gedacht

Für ganz sportliche Biker wird es natürlich auch separate Uphill-Strecken geben, um den Geschriebenstein auch bergauf zu erobern. Für den puren Genuss des Downhill-Erlebnisses sollen hingegen eigene Shuttle-Taxis mit Fahrradanhängern organisiert werden, um zum Ausgangspunkt zurückzugelangen und je nach Fitness-Level auch mehrere Abfahrten zu bezwingen. Da aber auch die kürzeste Strecke von sechs Kilometern „ganz schön reingeht“, wie Philipp Nehrer betont, sind auch Pausenbereiche entlang der Strecke geplant. Die Konditionen der Tickets, die auch eine Versicherung während des Aufenthalts beinhalten, werden derzeit noch ausgearbeitet.

Als Naturmensch freut es Philipp Nehrer besonders, dass die Konflikte der Montainbiker im Wald mit der Jägerschaft hier kein Thema sind: „Bis jetzt wurde überall illegal gefahren, wir wollen durch die besten Trails die Biker in die Legalität zurückholen und gleichzeitig den Sport von der Jagd- und Forstwirtschaft entkoppeln. Das waren für unsere wichtigsten Partner – die Grundstückseigentümer, die Fürst Esterházy´sche Privatstiftung Lockenhaus, Ivan Batthyány und die Urbarialgemeinde Deutschmarkt – wichtige Kriterien, die das Projekt ermöglicht haben.“

Philipp Nehrer hat in den vergangenen 15 Jahren die Mountainbike-Trails der halben Welt erkundet und kann guten Gewissens sagen. „Der Geschriebenstein ist ein einzigartiges und unvergleichliches Paradies für Downhill-Junkies!“ Der höchste Berg im Burgenland mit dem Gipfelkreuz auf 884 Meter sei prädestiniert für das Trail-Konzept, für das man das Südburgenland europaweit beneiden werde: „Von der Länge der Trails, über die Vielfalt der Lines, die minimal-invasive Bauweise der Trails in der Natur, bis zum pannonischen Klima, das ein ganzjähriges Befahren ermöglicht. Das Mountainbike-Vergnügen ist geeignet für Jung und Alt, für Anfänger und Fortgeschrittene, für E-Mountainbiker, All-Mountain-Biker, Enduro-Rider und Downhiller. Es ist Mountainbiken im Flow des Burgenlandes“, kann es Philipp Nehrer kaum mehr erwarten, dass es losgeht.



Die Mountainbike-Strecke am Geschriebenstein

Bike, Helm, Handschuhe und Protektoren: Mit geländetauglicher Grundausstattung sind künftig alle zweiradbegeisterten Menschen – egal ob Hobby-Sportler oder Bike-Profis – eingeladen, den Geschriebenstein von einer ganz neuen Seite kennenzulernen. Ausgehend vom höchst gelegenen Parkplatz, warten 28 Trails auf 40 Kilometern darauf, erkundet zu werden. Ziele im Tal sind entweder die Ortschaft Lockenhaus oder auf der anderen Seite der Badesee Rechnitz.


Kommentare

Bis die Wadeln glühen

Einen Kommentar hinterlassen: