Ein Ort voll Idylle

Die am Fuße des Wechsels gelegene Gemeinde Dechantskirchen ist ländlich strukturiert. Hier sind vor allem Land- und Forstwirtschaft angesiedelt und kleine bis mittlere Betriebe. Genau in der Mitte zwischen Graz und Wien mit jeweils 90 km Abstand liegt die Gemeinde verkehrstechnisch günstig, direkt neben der B54 und nahe der Autobahn, dazu mit eigenem Bahnhof für die Pendler, die vor allem nach Wien ausfahren. Dank des Fehlens von größerer Industrie bietet der Ort Ruhe und Erholung. Wer hier seine Heimat hat, für den ist es, wie schon einst ein Vorauer Chorherr gesagt haben soll: ein Stück vom Paradies.
Olga SEUS / 2. Juni 2020 / Podcast am Seitenende
Foto: Wolfgang Franz

Die Burg Thalberg ist die besterhaltene romanische Burg der Steiermark und gehört seit 2015 zur Gemeinde.

 

Dass Dechantskirchen schon früh besiedelt war, beweisen zwei römische Grabsteinreste, die in die heutige Friedhofsmauer eingebaut wurden. „2015 haben wir von Dechantskirchen aus die Burg Thalberg erobert. Ganz friedlich“, erzählt Bürgermeisterin Waltraud Schwammer mit einem Augenzwinkern zur Gemeindefusion. Damit gehört die 1171 entstandene und anerkannt besterhaltene romanische Burganlage der Steiermark zu Dechantskirchen.

Am Fuße der Burg wurde ein alter stillgelegter Steinbruch zu einem Open-Air-Naturtheater umfunktioniert. Hier spielen die sogenannten „Thalburger“, eine Laientheatergruppe, jeden Sommer Märchenstücke, die Alt und Jung in ihren Bann ziehen und weit bekannt sind. Dass die diesjährigen Aufführungen aufgrund der Corona-Krise gestrichen werden mussten, schmerzt natürlich.

Gemeinde und Pfarre – immer schon eng miteinander verbunden

Noch bevor die Burg Thalberg erbaut wurde, wurde Dechantskirchen im Jahr 1161 zur Pfarre erhoben. Nach dem Titel des Gründers Dekan Otokar von Fischau leitet sich auch der Ortsname ab.

Ursprünglich gehörten Friedberg und St. Lorenzen am Wechsel zum Pfarrgebiet. Die Pfarrgrenze war übrigens auch bei der Gemeindefusion 2015 ausschlaggebend, als Schlag aufgeteilt wurde.

Der heutige Pfarrer Wolfgang Fank ist bekannt für sein Engagement für die Verantwortung gegenüber der Schöpfung und sein Bemühen um Nachhaltigkeit. Hier zeigt sich das gute Miteinander von Pfarre und Gemeinde, denn auch von weltlicher Seite aus bemüht man sich um Nachhaltigkeit. So ist der Anteil von Photovoltaik-Anlagen überdimensional hoch, und die Gemeinde ist Teil der Klimawandel-Anpassungs-Modell-Region Dechantskirchen-Vorau, kurz „Klar“. Die „natürliche Barriere für Murenabgänge, Hochwässer und Lawinen“ in Form von Wald und begrünten landwirtschaftlichen Nutzflächen in ihrer Biodiversität zu erhalten, klimafit zu gestalten und dabei eine „überregionale Vorbildwirkung“ einzunehmen, ist Ziel des Projekts.

Natur, Umwelt und Tradition werden groß geschrieben in Dechantskirchen

Ein weiteres Umweltprojekt, dem sich Dechantskirchen verschrieben hat, ist die „blühende und summende Steiermark“ des Naturschutzbundes. Bei diesem schon im Vorjahr angelaufenen Projekt werden den Gemeindemitgliedern bienenfreundliche Kräuter und Blumen zur Verfügung gestellt, um Lebensraum und Nahrung für Bienen und Schmetterlinge zu schaffen.

Dechantskirchen ist eingebunden in den Historischen Weitwanderweg Wechselland, kurz HWW, der anhand zahlreicher Stationen dazu einlädt, wandernd die Geschichte des Wechsellandes zu erkunden. Übrigens trennen fast 1.000 Höhenmeter Unterschied den niedrigsten (460 m über Seehöhe) vom höchsten Punkt (1.314m) der Gemeinde. Zehnmal konnte man dies beim Dechantskirchener Marathon hautnah erleben, der in den Kategorien Laufen, Radfahren und (da es keinen See in der Gemeinde gibt) Nordic Walking 2016 das letzte Mal stattfand.

Tradition hat auch das Schulgebäude in Dechantskirchen. Während momentan der Kindergarten neu gebaut, um eine Krippengruppe erweitert und vom Pfarr- zum Gemeindekindergarten umgewidmet wird, besteht das Volksschulgebäude schon seit 1915 in seiner Funktion. Seit 1972 gibt es keine weiterführende Schule mehr in Dechantskirchen, die Schüler gehen in Friedberg und Rohrbach in die Oberstufe.

Waltraud Schwammer, Bürgermeisterin mit weiblichen Führungsqualitäten

Im Gegenzug siedeln manche im Erwachsenenalter nach Dechantskirchen, wie die nun im 16ten Jahr amtierende Bürgermeisterin Waltraud Schwammer, gebürtige Friedbergerin, die vor gut 30 Jahren nach Dechantskirchen einheiratete. Bevor sie hauptberuflich Bürgermeisterin wurde, unterrichtete sie übrigens in Friedberg Religion. Sie war das erste weibliche Stadtoberhaupt im Bezirk, was zumindest anfangs nicht ohne argwöhnische Blicke von den männlichen Kollegen vonstatten ging. Insgesamt gesehen ist für sie das Bürgermeisterinnenamt „etwas sehr Schönes“. Sei es ihrem weiblichen Führungsstil geschuldet, sei es die Mentalität der Dechantskirchener – die Stadt ist ein Ort des Zusammenhalts. Dies ist spürbar an den stabilen Einwohnerzahlen mit etwas über 2.000 oder etwa am regen Vereinsleben.

Aber auch daran, dass die Stadt kostenlose Krankenbetten zur Verfügung stellt und dass es ein Projekt wie „Vital digital“ gibt, das als europäisches LEADER-Projekt gestartet und nun in Privatinitiative fortgeführt Computerkurse für Senioren anbietet. Auch in der Krise war der Zusammenhalt deutlich in Form von Bürgerhilfen und Einkaufsdiensten erkennbar. Natürlich gibt es andererseits die Wehmut, dass viele liebgewonnene gemeinsame Aktivitäten momentan nicht stattfinden können. Leider bleibt eben auch das Paradies nicht gänzlich verschont, aber in ihm lässt sich so manche Krise besser überstehen.

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Dechantskirchen
Dechantskirchen liegt am Fuße des Wechsels.

Bürgermeisterin von Dechantskirchen
Bürgermeisterin Waltraud Schwammer leitet die Gemeinde.

Volksschulgebäude
Das Volksschulgebäude in Dechantskirchen ist über 100 Jahre alt und denkmalgeschützt.

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