Eine Gemeinde, die viel bewegt

St. Johann in der Haide. Wer diesen Ortsnamen das erste Mal hört, mag viel assoziieren. Fakt ist, dass der Zusatz „Haide“ nicht etwa „Heide“ mit niedrig blühenden Gewächsen bedeutet, sondern sich vielmehr von „hart“ – mundartlich „Hoad“– der Wald ableitet. Doch wer nun einen ausschließlich märchenhaften Ort am Waldrand erwartet, der irrt: St. Johann ist eine moderne Gemeinde, die ständig in Bewegung ist und für alle Bevölkerungsschichten etwas bietet.
Olga SEUS / 4. Jänner 2021
Foto: Olga Seus

In einem Jahr, in dem überall von drohenden Schließungen die Rede ist, hat es St. Johann in der Haide dank weitsichtiger Gewerbepolitik geschafft, das Gewerbegebiet durch neue Betriebsansiedelungen zu erweitern. Allen voran springt am Ortsrand der große Neubau ins Auge: Hier hat Ringana, nicht nur im Hartbergerland für Frischmittel und Nahrungsergänzung bekannt, seinen neuen Produktionsschwerpunkt errichtet. Sukzessive werden hier vom bisherigen Hauptstandort Hartberg die Produktion, die Forschung und Entwicklung übersiedelt. Geplant ist, dass die Abteilungen Anfang 2021 in Betrieb gehen.
Ebenfalls in St. Johann wird die markenunabhängige KFZ-Werkstätte RSE Mechanix eine Heimat finden und im Frühjahr von Vorau nach St. Johann siedeln. Und auch das Unternehmen Wheel Master Oberflächentechnik hat die oststeirische Gemeinde als Firmenstandort gewählt. Bereits im September 2020 hat das Café Johann eröffnet, das neben der Autobahnzufahrt einen besonders günstigen Standort hat. St. Johann ist Teil der Wirtschaftsregion Hartberg. Dabei handelt es sich um den Zusammenschluss der Gemeinden Hartberg, Hartberg Umgebung, St. Johann in der Haide, Grafendorf und Greinbach, um die Ansiedelung von Betrieben zu forcieren. Dadurch möchte man sämtliche Ansprüche von Interessenten abdecken. Was zählt, ist, den Betrieb in der Region zu behalten. Hier sehen sich die fünf Gemeinden als Einheit.

Und natürlich stehen nicht nur Newcomer im Fokus der Gemeinde. Traditionsbetriebe wie das Bauunternehmen Sterlinger & Co oder der Spezialbetrieb Zingl für Autoglas sind wichtige Wirtschaftsmotoren und wertvolle regionale Arbeitgeber.

Auch als Wohngemeinde überaus beliebt

Besagter Autobahnanschluss macht einen Teil der Beliebtheit von St. Johann sowohl für neue Gewerbetreibende wie auch für Wohnansiedlungen aus. Wer nicht selbst fahren will, kann an einem der 41 SAM-Haltepunkte der Gemeinde das günstige Sammeltaxi nehmen. Seit Einführung am 10. Januar 2020 haben dies bis Ende November auf 93 Fahrten schon 116 Personen beansprucht. Dazu kommt die Familienfreundlichkeit der Gemeinde, die Kinderbetreuung vom Krippenalter bis zum Ende der Volksschule anbietet. Zahlreiche Vereine und attraktive und zum Teil frisch sanierte Spielplätze runden das Angebot ab.
Wen wundert es, dass hier auch die Nachfrage nach Bauplätzen enorm ist, sowohl für den Wohnungsbau wie auch bei privaten Familienhäusern. „2020 gab es 22 Bauverhandlungen, sechs davon betrafen neue Einfamilienhäuser“, weiß Amtsleiter Christian Kohlhauser. Dies führt zu neuen Herausforderungen: „Ein wichtiges Projekt für die Zukunft ist damit gegeben: Die Sicherung und der Ausbau der Wasserversorgung“, so Bürgermeister Müller. Dazu wurde am Ortsrand ein Bohrturm aufgestellt, der Probebohrungen bis zu 140 Meter Tiefe vornehmen kann und bei dessen Standort mutmaßlich in Zukunft die weitere Wasserversorgung der Gemeinde sichergestellt werden soll. Ebenso mussten die Öffnungszeiten des Altstoffsammelzentrums erweitert werden: „Mehr Bevölkerung, mehr Sperrmüll“, bringt es Christian Kohlhauser prägnant auf den Punkt.

Wenn es um die Qualität als Wohngemeinde geht, ist die Seniorenpflegeeinrichtung „Pflege mit Herz“ etwas, worauf St. Johann besonders stolz ist. Der „Föhrenhof“ ist nicht nur zentral gelegen, sondern wahrlich ein Herzstück der Gemeinde.
Und schließlich legt die Gemeinde auch großen Wert darauf, mit der „Bioenergie St. Johann in der Haide“ saubere Energie anbieten zu können. Dies durch eine Fernwärmeheizung, die mit Hackschnitzel der heimischen Land- und Forstwirte betrieben wird.

Neuer Bauernmarkt findet regen Anklang

Stolz ist Günter Müller auf den seit September 2020 neu etablierten Bauernmarkt, der jeden ersten und dritten Freitag im Monat zwischen Gemeindeamt und Volksschule Landwirten aus der Region die Möglichkeit bietet, ihre Produkte zu verkaufen. „Der Bauernmarkt ist zwar klein, aber fein. Dank seiner gemütlich-familiären Atmosphäre ist er sehr gut angenommen worden“, freut sich der Bürgermeister. Natürlich kommen auch die Naturliebhaber auf ihre Kosten, sind doch Teile der Lafnitzauen auf dem Gemeindegebiet, die zum Verweilen und Träumen einladen. Im Gegensatz zu manch anderen Rückzugsorten wurden sie jedoch auch im vergangenen Coronajahr nicht überrannt und haben ihre Idylle bewahrt. „Unsere Bevölkerung hat die Umgebung immer schon genutzt, so auch dieses Jahr. Doch einen vermehrten Anstieg an Wanderern etc. konnten wir nicht feststellen“, sagt Amtsleiter Christian Kohlhauser.

Bleibt bei so viel Wandel überhaupt noch etwas offen? „Ein Nahversorger direkt in der Gemeinde, das fehlt uns noch“, gibt Günter Müller zu, aber versichert zugleich, dass alles versucht werde, dieses Problem zu lösen. Wenn man St. Johann in der Haide und die Ausbauschritte, die sich hier in den vergangenen Monaten aber auch in den Jahren zuvor vollzogen haben, ansieht, wundert es eher, dass die Supermärkte ihrerseits nicht schon Schlange stehen, um sich in dieser pulsierenden Gemeinde ansiedeln zu dürfen.


Bürgermeister Günter Müller
Bürgermeister Günter Müller und Amtsleiter Christian Kohlhauser sind ein gut eingespieltes Team in der Gemeinde.

Amtsleiter Christian Kohlhauser


Gemeindeamt

Köstliches aus der Region bietet der neue Bauernmarkt in St. Johann jeden ersten und dritten Freitag im Monat.

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