Friedberg: Auf der Sonnenseite des Wechsels

Vom burgenländischen Pinkafeld ist es nur ein kurzer Weg bis zur steirischen Grenze. Wenige Autominuten später hebt sich Friedberg auf einem Hügel ab. Die Altstadt mit der markanten Stadtpfarrkirche liegt wie ein aufgeklapptes Schmuckkästchen auf den sonnigen Südhängen des Wechselgebirges. Dass sich dort oben Menschen ansiedelten, ist eine Entscheidung aus einer Zeit, in der Überblick Sicherheit bedeutete.

Nicole MATSCH / 27. Jänner 2026

Der Erlebnisberg mit Aussichtsturm über der Altstadt von Friedberg erinnert an die frühere Wehranlage.

Bereits um 1170 bestand auf dem Hügel eine Wehranlage zum Schutz der Wechselstraße. Unter der Burg, auf rund 600 Höhenmetern, entwickelte sich später die Stadt, die ab 1194 planmäßig ausgebaut wurde – auch mit Mitteln aus dem Lösegeld für Richard Löwenherz. Der englische König war zwei Jahre zuvor in Gefangenschaft des Babenberger Herzogs Leopold V. geraten. Friedberg wuchs entlang der Höhenlage: klar gegliedert, gut sichtbar, nach Süden hin offen.

Mehrere Schichten Vergangenheit

Die mittelalterliche Burg und das spätere Doppelschloss sind verschwunden, an ihrer Stelle steht heute ein Kriegerdenkmal. Die Geschichte ist in Friedberg aber noch immer lebendig. „Ich würde mit dem Erlebnisberg anfangen“, empfiehlt Bürgermeister Wolfgang Zingl Erstbesuchern der Stadt. Der Erlebnisberg wurde auf dem ehemaligen Burgareal am Schlossberg angelegt und erinnert mit dem imposanten Aussichtsturm an die frühere Wehranlage. Archäologische Strukturen liegen unter der Erde, darüber öffnet sich der Blick weit ins Umland. „Der Fernblick ist enorm. Das ist einfach ein wunderschöner Platz“, schwärmt Zingl. Stadt- und Themenführungen binden den Erlebnisberg ebenso ein wie den historischen Stadtkern.

Porträt von Wolfgang Zingl, Bürgermeister von Friedberg
© Stadtgemeinde Friedberg
Wolfgang Zingl

Wolfgang Zingl, im Zivilberuf Polizeibeamter, ist seit 2015 Bürgermeister von Friedberg. Er ist der erste SPÖ Bürgermeister in der Geschichte der Stadtgemeinde.

Topografie und Infrastruktur

Zur Stadtgemeinde gehören die Katastralgemeinden Friedberg, Ehrenschachen und Schwaighof. Rund 2.700 Menschen leben hier, wo die unterschiedlichen Höhenlagen den Alltag prägen: Während das Zentrum am Hügel liegt, wird es Richtung Süden flacher. Besonders in Ehrenschachen treffen mehrere Bäche zusammen. „Unsere Topografie schützt uns vor flächigem Hochwasser“, sagt Zingl, seit 2015 im Amt, „aber in den tieferen Bereichen müssen wir sehr genau hinschauen.“ Regen- und Hangwasserkarten, der Ausbau von Wasserleitungen, zusätzliche Quellen, Hochbehälter und Hochwasserschutz bei der Kläranlage, die 2024 unter Wasser stand, sind die Konsequenz. „Wenn man die Infrastruktur nicht sieht, dann funktioniert sie“, so der Bürgermeister, der im Zivilberuf Polizist ist.

Zentrum im Wechselland

Nahe dem Dreiländereck Steiermark–Burgenland–Niederösterreich versteht sich Friedberg als Zentrum im Wechselland. Über Jahrzehnte war die Stadt Sitz eines eigenen Gerichtsbezirks, bis 1976. Bis heute bündelt sie öffentliche Einrichtungen: Notariat, Apotheke, Standesamt, Polizeiinspektion, Sozialzentrum, Wechsellandbücherei sowie zahlreiche Fachärzte, Pflege- und Betreuungseinrichtungen. So kommen viele Menschen für Arztbesuche, Amtswege oder Schule nach Friedberg.

Die Zentrumsfunktion prägt auch die Stadtentwicklung. Neue Bauplätze werden erschlossen, der Geschosswohnbau wird schrittweise erweitert, mehrere hundert Wohnungen entstehen. Funktional ist Friedberg eng mit der Nachbargemeinde Pinggau verflochten und übernimmt eine Versorgungsfunktion für das Umland. Größter Arbeitgeber in Friedberg ist das Kunststofftechnik- und Werkzeugbauunternehmen E.L.T. Daneben prägen zahlreiche Betriebe aus Handel, Gastronomie und Dienstleistungen den Ort und sichern Arbeitsplätze und Lehrstellen.

Wertschöpfung im Kleinen

Dass Wertschöpfung in Friedberg nicht nur groß gedacht wird, zeigt „WiederWertVoll“ im Ortszentrum. Der gemeinnützige Verein betreibt seit 2021 einen Shop und verbindet Second Hand, kreative Projekte und Ortskernbelebung. Im Rahmen der Wirtschafts- und Gewerbeausstellung „Hochstraße Innovativ“ präsentiert sich „WiederWertVoll“ heuer gemeinsam mit der Modeschule Oberwart bei einer Modenschau im Autohaus Lind. Koordiniert wird das Projekt unter anderem von Lind-Geschäftsführer Mario Janisch und Dagmar Ajtic von E.L.T. – ein Beispiel dafür, wie Industrie, Ehrenamt und Kreativarbeit ineinandergreifen.

Vier Frauen lächeln an einem Tisch in einem gemütlichen Café, umgeben von Regalen voller Bücher und Dekorationen.
© WiederWertVoll
Verein „WiederWertVoll“

Der gemeinnützige Verein WiederWertVoll wurde vor fünf Jahren gegründet mit den Zielen: Ressourcenschonung und Umweltschutz, Ortskernbelebung und regionale Wertschöpfung sowie Förderung der kreativen Weiterbildung.

Seit 2021 betreibt der Verein einen Shop in Friedberg. Die Mitglieder haben die Möglichkeit, ihre Produkte zentral auszustellen und zu verkaufen. Daneben organisiert der Verein gelegentlich Events und trägt maßgeblich zum hochwertigen Kulturprogramm der Region bei.

Das nächste große Event: Modenschau im Rahmen von Hochstraße Innovativ am Samstag, den 14. März im Autohaus Lind mit der Modeschule Oberwart. Dazu gab es bereits im Herbst eine Besprechung. 

Foto: Obfrau-Stv. Monika Schausberger, Fachvorstand Mira Pfeiffer-Talasz und ihre Kollegin Hanna Wolf mit Obfrau Maria Bischof.

Was im Hintergrund läuft

Was Friedberg im Alltag trägt, sind seine kommunalen Leistungen und das aktive Vereinsleben. Kindergärten in Friedberg und Ehrenschachen, Kinderkrippe, integrative Zusatzbetreuung sowie Volksschule, Mittelschule und Polytechnische Schule bilden das Bildungsangebot. Sport-, Kultur- und Traditionsvereine prägen das Gemeindeleben über das Jahr. „Wir haben sogar einen erfolgreichen Schachklub“, freut sich Wolfgang Zingl.

Rund um den Hauptplatz verdichtet sich dieser Alltag: Cafés, Gasthäuser, Nahversorgung, Märkte und Veranstaltungen wie das Street-Food-Festival – neu seit 2025 – oder das Sommerkino sind ebenso beliebt wie der Gemeindeball und das Muttertagskonzert im Mehrzwecksaal der MS Friedberg. Rund um den Wechsel gibt es ein dichtes Netz an Radstrecken, der EuroVelo-Radweg führt direkt über den Hauptplatz. Wer Naherholung im Wald sucht, ist im Friedberger Bärengraben genau richtig.

Belebter Hauptplatz von Friedberg mit Besuchern unter weißen Zelten vor historischen Gebäuden
© Stadtgemeinde Friedberg
Street Food Market

Der Streetfood Market fand im Jahr 2025 zum ersten Mal auf dem Hauptplatz in Friedberg statt.

Man kennt sich

Friedberg ist überschaubar und gemütlich, zugleich aber modern organisiert. „Man kennt sich hier“, sagt Wolfgang Zingl. „Und genau das ist unsere Stärke.“ Wenn Kinder auf ihn zeigen und ihre Eltern aufmerksam machen – „Schau, da ist der Bürgermeister“ –, ist das ein Hinweis darauf, wie Gemeinde hier gelebt wird.


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