Immer offen für Neues

Kemeten kennt man von der Durchreise auf der B57 ins südliche Burgenland. Wenn man die 60 beziehungsweise 70 km/h auf der Geraden durchzischt, nimmt man die Ortschaft eher nur aus den Augenwinkeln wahr. Dabei verbirgt sich in Kemeten weit mehr, als man am bloßen „Leben an der Bundesstraße“ vermuten möchte. Dafür spricht auch der Zuzug der Bevölkerung, die das Potenzial dieses Ortes erkannt hat.
Eva Maria KAMPER / 4. Jänner 2021
Foto: Eva Kamper

„Aber nicht die Straße, sondern der Bach teilt Kemeten in seine zwei Hälften“, lacht Bürgermeister Wolfgang Koller und beschreibt die althergebrachte Unterteilung von Kemeten zwischen „Herübers Bachl“ und „Drübers Bachl“. Beim Erkunden der beiden Ortsteile, dem das Zentrum mit Nahversorger und Gemeindeamt inmitten liegt, erschließt sich ein verwinkeltes Straßennetz auf beiden Seiten bis hin zu richtigen Aussichtshügeln. Kemeten ist weit größer, als man auf den ersten Blick glaubt. Und auffallend viel wird gebaut und renoviert. „Die Bevölkerung zeigt heuer – wie sich der Trend coronabedingt allgemein abzeichnet – eine außergewöhnlich hohe Aktivität bei Bau- und Wohnprojekten. Generell ist der Zuzug in die Gemeinde immer weiter steigend“, sagt Wolfgang Koller. Auch die OSG ist weiterhin emsig mit neuen Projekten beschäftigt.

Aktivitäten zum Wohlfühlen

Aber was macht die Gemeinde Kemeten so beliebt? Naheliegend ist die günstige Verkehrsanbindung, die eine schnell erreichbare Autobahnauffahrt zur A2 beinhaltet, auch nach Oberwart und Güssing ist es nur ein Katzensprung. Bürgermeister Koller hebt allerdings eine Eigenschaft hervor, auf die er größten Wert legt. „Kemeten ist eine Wohlfühlgemeinde!“ Corona habe sie heuer, abseits aller wesentlichen Herausforderungen in der Krise, im Herzstück getroffen, das die Gemeinde ausmacht: Dem Zusammensein. Denn Kemeten lebt die gemeinsamen Aktivitäten. Egal ob für die Jugend oder die Pensionistengemeinschaft, es soll generationsübergreifend für jede und jeden etwas dabei sein.

So wurde das ehemalige Böhm-Haus auf ausdrücklichen Wunsch des verstorbenen Ehepaars Böhm nach der Schenkung zum „Haus der Begegnung“ umgebaut. Es soll mit Haus und Hof für sämtliche Vereinsaktivitäten, Veranstaltungen, Tanzabende, Kabaretts uvm. zur Verfügung stehen. Auch auf das Abzeichen des „Gesunden Dorfes“ ist man stolz und freut sich sehnsüchtig auf neue sportliche Termine im kommenden Jahr. Ebenso ist die Auswahl an Neigungsgruppen in Form von Vereinen groß. Wer das Passende nicht findet, der gründet: „Unser Krippenbaumeister hat einmal einen Workshop im Werkraum der Volksschule angeboten und kurze Zeit später hat sich schon eine Gruppe zum Krippenbauverein formiert“, schildert der Bürgermeister beeindruckt. Er sei immer offen für Neues und möchte der Bevölkerung – nach vorhandener Möglichkeit oder Infrastruktur – alle Ideen und Aktivitäten ermöglichen, so sein Credo.

Auch für das leerstehende Gasthaus Kuich am Hautptplatz verrät er schon eine neue Idee: „Das Wirtschaftsgebäude wurde von der OSG gekauft. Im Obergeschoß sollen Wohnungen errichtet werden und die Gemeinde ist interessiert, im Zuge dessen dann den Saal für größere Veranstaltungen, wie zum Beispiel Hochzeiten, zu nutzen. Auch die Diakonie ist in diesen Plan involviert, die Küche würde sich für die Aufbereitung von „Essen auf Rädern“ eignen.

Nachhaltige Projekte

Bei budgetären Entscheidungen legt der Bürgermeister, der seit 2017 im Amt ist, hohen Wert auf Nachhaltigkeit. Energiesparende Maßnahmen, wie der Tausch der Heizanlage des Kindergartens und der Volksschule oder eine Photovoltaikanlage für Gemeinde und Feuerwehr, waren Priorität. Eines der Projekte, das ihm von Beginn seiner Amtszeit an schon Kopfzerbrechen bereitet, ist die Leckortung im Wasserleitungssystem, die eine Kostenersparnis von bis zu 40.000 Euro verspricht: „Wir arbeiten auf Hochtouren daran, die Ursache zu finden!“

Wachsendes Gewerbegebiet

Im Ort selbst sind anerkannte Unternehmen wie das Planungs- und Baumeisterbüro von Gerald Krautsack. Darüberhinaus ist die nördliche Pforte der Gemeinde ein beachtlich wachsendes Gewerbegebiet mit bereits fast 20 Betrieben. So haben sich unter anderem die Unternehmen Service Lounge und MTL Austria in der aufstrebenden Gegend eingenistet. „2020 war ein schwieriges Jahr, trotzdem haben wir es ohne Kurzarbeit und ohne Kündigungen geschafft.

Im Frühjahr ist eine Neuinvestition mit einer ca. 800 m² großen Halle geplant“, resümiert MTL-Firmenchef Silvio Leveghi. Über 220 Menschen haben einen Arbeitsplatz im Gewerbegebiet Kemeten. Die international erfolgreiche Firma H&P Trading rund um Inhaber Erwin Hochwarter steckt schon zukunftsorientiert mitten in einem weiteren Zubau. Mit diesen Möglichkeiten und dieser Offenheit für Neues, hat Kemeten sein Potenzial noch lange nicht ausgereizt.


Der Hauptplatz in Kemeten: Die Katholische Kirche, der Kinderspielplatz, das Gemeindeamt, daneben die Evangelische Kirche (nicht am Foto) und das Denkmal zur Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten. Direkt im Zentrum des Hauptplatzes ist der Dorfbrunnen.

Das Friedenskreuz auf einer Anhöhe in Kemeten.

DI Wolfgang Koller (SPÖ) ist seit Jänner 2017 Bürgermeister von Kemeten.

Der Kinderspielplatz zwischen Gemeindeamt und Katholischer Kirche ist beliebter Treffpunkt.

Direkt an der Hauptstraße gelegen sieht man das ehemalige Gasthaus Krutzler. Der bekannte Schauspieler Christoph Krutzler stammt aus dieser Gastronomenfamilie, die das Gasthaus aber heute nicht mehr führt

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