Klein und fein

St. Johann i. d. Haide – etwas mehr als 2.000 Einwohner hat der Ort, aber dafür einen der derzeit höchsten Politiker unseres Landes hervorgebracht: Der Grüne Vizekanzler Werner Kogler ist hier aufgewachsen. Die Selbstbeschreibung der Gemeinde ist auf drei Begriffe verdichtet: Wohnen-Arbeit-Freizeit. prima! begibt sich auf Spurensuche.
Olga SEUS / 28. Jänner 2020
Foto: SCAir-Works zVg

 

Ortsansicht St. Johann in der Haide

 

Fährt man von Hartberg aus nach St. Johann, fällt einem sofort die große Baustelle am Ortseingang ins Auge. Ringana, ein Hartberger Frischekosmetikhersteller mit Millionenumsätzen, baut hier das modernste Logistikzentrum Europas auf. Überhaupt, der Gewerbepark an der A2 ist gut besiedelt, denn St. Johann ist bei Gewerbe- und Industrietreibenden durch seine gute Anbindung beliebt. 70 km nach Graz, 120 nach Wien und ein direkter Autobahnzubringer. St. Johann tut etwas für seine Wirtschaft und wurde damit kürzlich auch – bereits zum dritten Mal – mit dem „goldenen Boden“ ausgezeichnet, einem Zertifikat der WKO Steiermark als „unternehmerfreundliche Gemeinde“. Zusammen mit den anderen Gemeinden der „Wirtschaftsregion Hartberg“, zu der auch Hartberg, Hartberg Umgebung, Greinbach und Grafendorf zählen, wurde die Auszeichnung entgegengenommen.

Ein Kontrastprogramm zum Gewerbepark zeigt sich etwas abseits der Hauptstraße: Der ABC Park. In übergroßen Buchstaben, bestehend aus verschiedensten Materialien wie Holz, Stein, Ziegel, Granit, Glas, Beton, Solarpaneelen ist hier neben dem Schriftzug „Bildung für alle“ auch das Alphabet aufgestellt. Die als Kunstprojekt von der EU-geförderte Installation soll „Lust und Freude auf Sprache und Bildung vermitteln“ und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Wer es geistlicher haben will, sucht die Lorettokapelle mitten im Wald von Mitterberg auf. Hier findet auch die alljährliche „Waldweihnacht“ statt.

Wohnen

Aufgrund der guten Arbeitssituation ist die Gemeinde schon seit gut 15 Jahren Zuzugsgemeinde. Vor allem für Familien versucht man eine gute Infrastruktur zu schaffen. Dabei sind die erst vor zwei Jahren errichtete und aufgrund der großen Nachfrage bereits erweiterte Kinderkrippe, der zweigruppige Kindergarten und die Volksschule zu erwähnen. Verschiedene Siedlungsgenossenschaften errichten Wohnungen, die fernab von der Hauptstraße mit idyllischem Naturausblick locken. Für die ältesten Bürgerinnen und Bürger gibt es ein Pflegeheim mit Platz für 80 Bewohner. Ein großer Pendlerparkplatz, der am 1. Oktober des vergangenen Jahres feierlich erweitert wurde, rundet das Angebot ab. Wen wundert es, dass durch neue Betriebsansiedlungen und den Bevölkerungsanstieg auch neue Herausforderungen auf die Gemeinde zugekommen sind?

„Für die nächsten Jahre ist die Sicherung der Trinkwasserversorgung ein großes Thema“, so Bürgermeister Günter Müller. Ein weiteres Großprojekt, das innerhalb der nächsten 5 Jahre vorgenommen werden soll, ist die Sanierung von Gemeindestraßen. Bürgerbeteiligung ist ein echtes Thema in St. Johann in der Haide. Spätestens alle 5 Jahre gibt es große Befragungen zur Zufriedenheit und über diverse Gemeindethemen wie anstehende Projekte. Die daraus gewonnen Einsichten werden in einer Bürgerversammlung der Öffentlichkeit präsentiert.

Freizeit

Und was machen die Sankt Johanner, wenn sie Freizeit haben? Wie in jeder steirischen Ortschaft gibt es auch hier ein reges Vereinsleben: unter anderen zwei freiwillige Feuerwehren, aktive Fußballer im SV, einen Pensionistenverein sowie einen Seniorenbund, Oldtimer- und Kinderfreunde sowie zwei Musikvereine uvm.

Die ehrenamtliche Kulturbeauftragte Helga Glatz organisiert Ausstellungen, Konzerte und Vorträge. In St. Johann gibt es nicht nur Kultur, sondern auch Natur: „Ich fahre gerne mit dem Rad zur Lafnitz“ verrät Amtsleiter Christian Kohlhauser, während Bürgermeister Günter Müller sich im Garten austobt oder ausgedehnte Waldspaziergänge macht. Manches Mal treffen sie sich auch zufällig bei der Maierhofermühle in den idyllischen Lafnitzauen (prima! berichtete), wo man vielleicht sogar das derzeit prominenteste Kind der Gemeinde, Werner Kogler, antreffen könnte. Und sogar sein ehemaliger Grüner Parteikollege und mittlerweile Bundespräsident Alexander Van der Bellen soll gerne hierher zum Ausruhen kommen.

St. Johann bietet von allem etwas: Gewerbe und Idylle, Pendlerparkplätze und Betreuungsplätze. Oder um es noch einmal mit dem Slogan der Gemeinde zu sagen: Wohnen-Arbeit-Freizeit.


Loretto-Kapelle
Die im Wald gelegene Loretto-Kapelle lädt zum andachtsvollen Verweilen.

Kinderkrippe
Die erweiterte Kinderkrippe hat mit Jahresanfang ihren Betrieb aufgenommen.

Günter Müller
Bürgermeister

Christian Kohlhauser
Amtsleiter

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