Rohr bei Hartberg: Lebenswert und liebenswert

Wer in Rohr bei Hartberg fragt: „Wie geht’s dir?“, will es ehrlich wissen. Weil man sich hier noch kennt, weil man sich umeinander kümmert – und weil das Miteinander mehr zählt als das Tempo. Eingebettet zwischen Lafnitz, Wechsel und steirischem Thermenland liegt die Gemeinde im Osten der Steiermark – direkt an der burgenländischen Grenze. Dort, wo Ruhe auf gute Anbindung trifft. Drei Ortsteile, kurze Wege, viel Natur und ein Wir-Gefühl, das noch wächst.

Nicole MATSCH / 23. August 2025

Die Pfarrkirche Unterrohr wurde in ihrer heutigen Form 1732 errichtet. Sie ist damit deutlich jünger als die Pfarrkirche in Wörth an der Lafnitz, die bereits 1313 von Gottschalk von Neuberg gestiftet wurde.

„Ein Bürgermeister zum Anfassen“

Wenn Bürgermeister Wolfgang Breitenbrunner durch Unterrohr radelt, dauert es. „Würde ich zu Fuß gehen, wäre ich noch länger unterwegs“, sagt der 42-Jährige, der hier aufgewachsen ist, schmunzelnd. Denn statt einfach durchzufahren, bleibt er oft stehen – für Gespräche, Begegnungen, Anliegen. Schon bei seiner Angelobung im April hat er deutlich gemacht, dass hier frischer Wind weht. Ein heller Anzug, grüne Sneakers, sichtbare Tattoos – „Die einen lieben es, die anderen hassen es, aber ich bin ich, so wie ich bin“, sagt er. Der neue Bürgermeister ist ein „bunter Vogel“, wie er selbstironisch meint – und gerade deshalb kommt er gerade bei der Jugend gut an. Für Amtsleiterin Martina Hosp ist er schlicht „ein Bürgermeister zum Anfassen“. 

Drei Orte, eine Gemeinde

Rohr mit seinen Ortsteilen Unterrohr, Oberrohr und Wörth an der Lafnitz ist seit 1. Jänner 2015 im Zuge der Gemeindestrukturreform vereint. „Wir denken auf Gemeindeebene – nicht in Ortsteilen“, so Breitenbrunner. Im Amt arbeitet ein überregionales Team – ein Vorteil, findet die gebürtige Tirolerin Martina Hosp, die im Burgenland lebt: „Das hilft uns, das Ganze im Blick zu behalten.“ Doch was formal längst erledigt ist, braucht im Alltag noch Fingerspitzengefühl. Viele in Wörth hätten sich damals Eigenständigkeit gewünscht. Manche fühlen sich dem „neuen“ Rohr bis heute nur bedingt zugehörig. 

Breitenbrunner weiß das und ist auch in Wörth regelmäßig präsent, besucht Feste, sucht das Gespräch. Vertrauen lässt sich nicht verordnen, es muss wachsen. Doch die Bevölkerung rückt langsam über Kindergarten, Feste und Vereine näher zusammen. Und dass echtes Miteinander nicht auf dem Papier entsteht, zeigt sich immer dann, wenn es darauf ankommt.

Menschen, die zusammenhalten

Beim Hochwasser 2024 kamen die Menschen in Gummistiefeln zur EU-Wahl und räumten danach gemeinsam Keller aus. Auch ehemalige Bürgermeister, Gemeindemitarbeiter und viele Freiwillige packten mit an. „So klein wir auch sind – so stark sind wir durch den Zusammenhalt“, sagt Breitenbrunner.

Vereine und Veranstaltungen wie Muttertagskonzert, Frühschoppen oder Bockbieranstich sind wichtige Säulen des Gemeindelebens. „Nachwuchs bei den Vereinen ist nicht selbstverständlich“, sagt der Bürgermeister, der selbst im Musikverein Unterrohr aktiv ist. Umso wertvoller sind Orte, an denen Menschen zusammenkommen. Einer dieser Treffpunkte ist der Nah&Frisch mit Café in Unterrohr, den Romana Schantl nach einem Jahr Leerstand wiedereröffnete. Viel mehr Gastronomie gibt es nicht: eine Pizzeria in Unterrohr, ein Gasthaus in Wörth. „Leider nur mehr das“, bedauert Breitenbrunner.

Zwischen Charme und Standortvorteil

Rohr bei Hartberg ist kein Wirtschaftszentrum, will es auch gar nicht sein. „Wir haben viele Kleinbetriebe, Einzelunternehmer – und vor allem viel Natur“, sagt Wolfgang Breitenbrunner stolz. Rohr verstehe sich deshalb vorrangig als Wohnsitzgemeinde. „Und das mit voller Überzeugung“, betont der Bürgermeister. Die Ruhe des Lafnitzgebiets, die Nähe zum Wechsel, zum Alpenvorland und zum Thermenland machen die Gemeinde attraktiv für Pendler und Ruhesuchende zugleich. Graz, Wien, Hartberg – alles gut erreichbar. Dazu kommen stabile Bevölkerungszahlen – Baugründe sind schwer zu haben – und ein breites Betreuungsangebot: Kinderkrippe, Kindergarten, Volksschule mit Einzelklassen und Nachmittagsbetreuung. „Keine Selbstverständlichkeit in einer kleinen Gemeinde“, sagt Hosp.

Ein Mann mit Brille und Bart im hellen Anzug, vor einem weißen Hintergrund.
© Alfred Mayer

Wolfgang Breitenbrunner ist seit April 2025 neuer Bürgermeister. Er folgte Heike Höfler nach, die nach dem Langzeitbürgermeister Jürgen Peindl zwei Jahre lang im Amt war

Kindergruppe genießt Eis im Freien, Sommerpicknick im Park mit vielen lachenden Kindern unter Bäumen.
© Gemeinde Rohr

Als „Bürgermeister zum Anfassen“ besuchte Breitenbrunner zum Schulschluss Volksschule und Kindergarten. 

Luftaufnahme eines idyllischen Dorfes inmitten grüner Landschaft und sanfter Hügel an einem sonnigen Tag.
© Karl Schrotter

Rohr bei Hartberg

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