Vierkanthof reloaded  – Das Raum-für-Raum-Projekt

Mit 18 Jahren übernimmt Alida Salmhofer ein Haus mit Geschichte: den Vierkanthof ihres Großvaters in Wörth an der Lafnitz. Sie renoviert ihn Raum für Raum – in ihrem eigenen Tempo. Die heute 23-Jährige braucht nicht alles neu, nicht alles perfekt. Es geht ihr um Substanz, um Eigenständigkeit und um ein Zuhause, das ihre Handschrift trägt, ohne seine Vergangenheit zu verlieren.

Nicole MATSCH / 28. Dezember 2025

Der Vierkanthof in Wörth an der Lafnitz gehörte einst Alida Salmhofers Großvater. Außen erzählt er noch dessen Geschichte, doch innen hat die 23-jährige Pflasterermeisterin ihrem Zuhause längst ihren eigenen Stempel aufgedrückt – und ist damit noch lange nicht fertig. Raum für Raum richtet sie in Eigenregie neu her.

Wenn man den Innenhof betritt, bleibt der Blick auf dem Holzstoß hängen. Lage für Lage ordentlich geschlichtet, fast ein Kunstwerk. „Das hat noch mein Opa gemacht“, sagt Alida Salmhofer. „Das würde ich nie verheizen.“ Obwohl das Haus mit Holz geheizt wird. Aber dieser Stoß bleibt. Erinnerung. Respekt. Der Vierkanthof ist mehr als hundert Jahre alt. Die Strukturen sind aus Notwendigkeiten gewachsen, nicht geplant. Stallungen, Wirtschaftsgebäude, Dachboden mit Heu – lange war das hier ein arbeitender Hof. Immer im Familienbesitz. Außen zeigt er sich noch genau so: Holz, Putz, Gebrauchsspuren, Papas Traktoren im Hof. Substanz statt Show. 

Ein Anfang aus Eigenantrieb

2020 stirbt Alidas Opa. Einen Monat später beginnt sie ihre Lehre in der Pflasterei ihres Vaters. Gemeinsam mit ihm räumt sie Opas Haus aus. „Das Schlechteste für ein Haus ist, wenn keiner darin wohnt“, sagt sie. Und irgendwann steht die Frage im Raum, die vielmehr eine Entscheidung ist: „Papa, darf ich es versuchen?“

Mit 18 beginnt Alida zu renovieren. Allein, manchmal mit Papas Hilfe. Das Handwerkliche ist ihr in die Wiege gelegt. Lehrabschlussprüfung 2023. 2024 hat sie ihren „Meister“ in der Tasche und werkt weiter unermüdlich am Haus. Nach der Arbeit, an Regentagen, oft bis spätabends. Nicht aus Zwang, sondern aus Lust am Tun. „Ich hab nicht bis zehn oder elf gearbeitet, weil ich musste – sondern weil es mir Spaß gemacht hat.“ Perfektion war nie das Ziel. Auch nicht Geschwindigkeit. Alida renoviert Raum für Raum, je nach Zeit, je nach Budget. Alles mit den eigenen Händen. „Es muss nicht auf einmal fertig sein. Es muss nur von mir sein“, sagt die junge Frau, die nebenbei ihre Matura nachholt und demnächst auch ihre Unternehmerprüfung machen wird. Die Zielstrebigkeit ist ein Rüstzeug, das ihr von den Eltern mitgegeben wurde. 

Improvisation mit Verantwortung

Die Küche macht den Anfang. Alte Rollenmuster an den Wänden, ein PVC-Boden, darunter Feuchtigkeit. Alida reißt alles heraus, entscheidet sich für robuste Materialien. Funktional, hell, unspektakulär – ein Raum, der benutzt werden will. Hier wird gekocht, vorbereitet, ausprobiert. Alida backt leidenschaftlich gern, das merkt man sofort. „Wenn ich einmal im Lotto gewinne, kauf ich mir eine richtig große Küche, überhaupt würde ich mir einen Luxus-Hof hinstellen“, träumt sie vor sich hin. Aber abgerissen würde nichts, das käme nie in Frage. 

Es folgen Vorraum, Schlafzimmer, Ankleidezimmer. Manches ungeplant. Unter einem Boden Schimmel – also wird auch dieser Raum gleich mitgemacht. Fehler passieren. Eine Lampe fällt beim Möbelaufbau, Glas splittert im frisch verlegten Boden. Alida lacht. „Das Bett steht jetzt drüber. Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß.“ Das Haus fordert Improvisation. Es gibt keine Pläne, keine Zeichnungen. Niemand weiß genau, wo – und ob – Fundamente verlaufen, welche Wand trägt, was irgendwann einmal dazu gebaut wurde. Alida tastet sich heran, entscheidet, korrigiert, verkleidet mit Rigips.

Herzstück und Ruhepol

Das Wohnzimmer ist ihr ganzer Stolz. „Es ist das Herzstück“, betont Alida. Die orange-rote Couch war ein Geschenk – anfangs gewöhnungsbedürftig, heute ein Glücksfall. Alida hat den Raum um sie herum aufgebaut. Tief grüne Wände nehmen der Farbe die Schärfe, erden sie. Sind Kontrast und optimale Ergänzung zugleich. Klare Linien, schwarze und weiße Akzente, ein heller Vinylboden. Bewusst robust und pflegeleicht. Eine Komposition des Extravaganten, doch stimmig. Seit dieses Zimmer fertig ist, geht alles andere leichter. Ohne Stress. Ohne das Gefühl, ständig weiterzumüssen. Jetzt darf das Haus wachsen – so wie es immer gewachsen ist.

Der eigene Stempel

Das Schlafzimmer ist der persönlichste Raum. Dunkle Möbel, tiefe Farben. Violett, weiß, schwarz. Über dem Bett ein Tuch wie ein Nachthimmel: Sterne, Monde, ein Skelett im Zentrum. Kraftvoll, ein bisschen mystisch. Das Ankleidezimmer dagegen ist ruhig, geordnet, fast zurückhaltend. Blaue Wand, blaue Tür, weißes Mobiliar, goldene Akzente, klare Linien. „Am besten gefällt mir, wenn ich dem Haus meinen eigenen Stempel aufdrücken kann“, erklärt Alida. In jedem Zimmer gibt es Pflanzen, als Blickfang und optische Auflockerung des Linearen. „Die sind aber leider nicht echt“, bedauert sie und gibt zu: „Die würden nur eingehen, ich hab nämlich keinen grünen Daumen.“

Leben im Projekt

Im Innenhof hängen rote Blumentöpfe an der alten Holzwand, grüne Ranken fallen locker nach unten. Kein Designobjekt, kein Konzept – eher ein leises Statement, dem Bestehenden neues Leben einzuhauchen, ohne es zu verdrängen. Der Holzstoß des Opas bleibt unberührt. Davor eine weiße Bank, ein alter Sessel. Drei Katzen streifen durch den Hof, der Platz ist perfekt für Feste, für lange Abende, für Leben. Auch draußen hat Alida klare Vorstellungen. Ein Carport wünscht sie sich, vor allem aber will sie Steinplatten verlegen, Flächen kunstvoll pflastern, mit Material arbeiten, das sie liebt. „Das ist mein Beruf“, sagt sie. „Und das taugt mir einfach.“ Der Hof soll genauso wachsen wie das Haus: Schritt für Schritt, mit Geduld. „In 15 oder 20 Jahren ist das Haus fertig“, sagt Alida Salmhofer und lacht kurz auf, denn ihr geht’s ums Dranbleiben, nicht ums Vollenden. „Gerade ist mir die Waschmaschine eingegangen“, erzählt sie. „Der optimale Anlass, jetzt die Waschküche in Angriff zu nehmen.“ 

Holzstapel an weißer Wand mit weißer Bank und Holzstuhl; einladende, rustikale Gartenszene für regionales Magazin.
© Nicole Matsch

Der perfekte Holzstoß des Opas im Innenhof darf und muss ebenso bleiben wie die alte Holzwand.

Rote Blumentöpfe mit grünen Pflanzen und Girlanden schmücken eine rustikale Holzwand in einer gemütlichen Scheune.
© Nicole Matsch
Frau in moderner Küche lehnt lächelnd am Schrank, vermittelt heimische Gemütlichkeit. Ideal für Prima Magazin Artikel.
© Nicole Matsch

Im Haus war die Küche das erste Zimmer, das Alida renovierte. Hier geht sie neben dem Heimwerken einer weiteren Leidenschaft nach – dem Backen. 

Frau in einem stilvoll eingerichteten Zimmer mit blauer Wand, weißen Möbeln und gemütlicher Atmosphäre, passend zum Thema Wohntrends.
© Nicole Matsch

Ob Wohnzimmer mit oranger-roter Couch und grünen Wänden, Ankleidezimmer in kräftigem Blau und Weiß gehalten oder Schlafzimmer in Violett-Weiß mit schwarz-grauen Kontrapunkten – jeder Raum im Vierkanthof hat seine eigene Energie.

Gemütliches Schlafzimmer mit dekorativem Wandteppich, symmetrisch über einem Bett arrangiert, für einen entspannten Wohnstil.
© Nicole Matsch
Gemütliches Wohnzimmer mit roten Möbeln, grün gestrichener Wand, moderner Beleuchtung und einem Fernseher auf der Anrichte.
© Nicole Matsch

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