Wiesfleck wo jeder jeden kennt

Wiesfleck hat vier Ortsteile, nämlich Wiesfleck selbst, Schönherrn, Schreibersdorf und Weinberg, aber nur 1.150 Einwohner. Mit rund 20 Quadratkilometern hat es zwar eine eher große Gemeindefläche, doch da das meiste davon Wald und landwirtschaftliche Nutzflächen sind, weist die Gemeinde kaum Gewerbe auf. Da Wiesfleck am Rande der Buckligen Welt am Ausläufer des Wechselmassivs liegt, bietet es wunderschöne Natur mit vielen Wandermöglichkeiten. Doch zugleich hat der Ort bereits seit 2018 einen modernen Glasfaseranschluss mit immerhin 150 Mbit pro Sekunde. Was macht also Wiesfleck aus?
Olga SEUS / 1. Juli 2020 / Podcast am Seitenende
Foto: Olga Seus

Die Gemeinde Wiesfleck ist umgeben von idyllischer Natur. Der Name spricht für sich, denn hier findet man einen idealen Lebensraum vor.

 

Ein wunderschöner Wochentagsmorgen, auf dem Weg von Oberwart nach Wiesfleck. Vom Lärm und der Hektik der Stadt geht es über ruhige Landstraßen nach Pinkafeld und von dort aus über noch ruhigere und kleinere Straßen die etwa zwei Kilometer weiter nach Wiesfleck. Mitten in der grünen Wiese ist das Ortszentrum. Das also ist Wiesfleck? Die Gemeinde ist eine Art Streusiedlung mit vielen Aussiedlerhöfen, ein großes Zentrum fehlt. Dafür finden sich an jeder Ecke Postkartenmotive. Zwei milchführende Bauernhöfe gibt es, zu denen am Abend noch mancher mit seiner Kanne geht, um die Milch zu holen.

Krippe und Ganztagsbetreuung

Idyllisch ist es hier – und ruhig. Wäre da nicht die große Baustelle, direkt hinter dem Gemeindeamt. „Da wir eine kinderreiche Gemeinde sind, bauen wir einen neuen Kindergarten, zusammen mit einer Krippe, die den derzeitigen Kindergarten und die alterserweiterte Gruppe im Herbst 2021 ablösen sollen“, erzählt Bürgermeister Christoph Krutzler. Schon jetzt wird Ganztagesbetreuung vom Krippenalter bis zum Ende der Volksschule angeboten. Überhaupt ist Wiesfleck eine recht junge Gemeinde, im heurigen Jahr etwa soll es bis zu zehn neue Einfamilienhäuser geben. Die „ländliche Idylle“ ist beliebt. Da verwundert auch das Ziel nicht, eine möglichst familienfreundliche Gemeinde zu sein. Wenn der neue Kindergarten und die Krippe in Betrieb sind, will man sich um das entsprechende Zertifikat des österreichischen Gemeindebundes und des Familienministeriums bemühen. Gebaut wird übrigens von der OSG, und diese ist darüber besonders erfreut, denn Wiesfleck war die letzte Gemeinde im Bezirk, die dem größten burgenländischen Wohnbauträger noch als Partner gefehlt hat.

Zukunftspläne

Kommt man ein wenig aus dem Ortsteil Wiesfleck hinaus, versteht man den Namen der Gemeinde, die im Jahr 1971 aus vier Kleinstgemeinden zusammengefasst wurde.

Der Ortsname dürfte sich von großen Wiesen inmitten ausgedehnter Waldungen herleiten lassen. Da liegt der Sport- und Tennisplatz wunderschön gepflegt mitten im Grünen. Was für den Besucher ruhig und idyllisch wirkt, ist auf Gemeindeseite ein bereits ins Auge gefasstes Problem: „Zukünftig ist auf jeden Fall geplant, einen Geh- und Radweg zwischen Wiesfleck und Schreibersdorf zu bauen“, so der Bürgermeister. Schließlich ist der Sportplatz auch bei der Jugend sehr beliebt, und die hat naturgemäß noch kein Auto und ist daher auf der Verbindungslandstraße mit normaler Geschwindigkeitsbegrenzung zu Fuß oder mit dem Fahrrad eher gefährdet. Für die Senioren hingegen gibt es ein Seniorentaxi. Die Hälfte der Kosten übernimmt die Gemeinde.

Wie viele kleinere Ortschaften hat Wiesfleck ein reges Vereinsleben. Gleich 37 verschiedene Vereine prägen hier den Ortscharakter. „Jeder kennt jeden, das ist das Schöne“, verrät Christoph Krutzler. So sind das alljährliche Pfingstfest der Feuerwehr, das große Motorradtreffen des ortsansässigen Clubs „Mad Dogs Mc Austria“ mit jeweils etwa 1.000 Teilnehmern sowie das jährliche Jugendtreffen der Jugend Wiesfleck quasi Pflichttermine für die Gemeindebürger.

Von Wiesfleck über China nach Wiesfleck

Dass Wiesfleck eine junge Gemeinde ist, kann man auch daran sehen, dass der Bürgermeister, der übrigens seit Oktober 2017 im Amt ist, noch keine 30 Jahre alt ist. Damit ist er der drittjüngste ÖVP-Bürgermeister österreichweit. Auf sein Alter bzw. eher seine Jugend kann man Christoph Krutzler übrigens problemlos ansprechen, mit jugendlichem Charme und weltmännischer Offenheit verrät er, dass er mit Leib und Seele sein Amt ausübt und findet, dass Jugend kein Hindernis sondern eine Chance ist. Für frischen Wind, neue Ideen, andere Ansichten. Ganz ohne die Weisheit der Älteren zu vernachlässigen. So war es ihm bei der Zusammenstellung des Gemeinderates besonders wichtig, jede Generation einzubinden und auch verschiedene Gewerke versammelt zu haben.
Ob er in diesem Amt alt werden will? Augenzwinkernd erklärt er, dass drei, vielleicht auch vier Amtsperioden genug seien, um nicht amtsmüde zu werden. „Irgendwann ist schließlich auch mal ein Tapetenwechsel nötig.“

Privat hat er den schon gehabt, war beruflich als Zivilstatiker im In- und Ausland beschäftigt (und ist es bis heute), kam bis nach China. Und wieder zurück nach Wiesfleck, um irgendwann hier ein Haus zu bauen, eine eigene Familie zu gründen. Er ist so, wie er selbst den typischen Wiesflecker beschreibt: „typisch gastfreundlich, sehr sympathisch und offen für nahezu alles.“ Wiesfleck ist eben eine junge Gemeinde – mit Tradition.


Blick auf das „Zentrum“ Wiesflecks mit Gemeinedeamt (gelbes Haus).

Die hinter dem Gemeindeamt liegende Baustelle für den neuen Kindergarten, der gerade gebaut wird.

Der Sportplatz Wiesflecks.

Bürgermeister Ing. Christoph Krutzler ist der drittjüngste ÖVP-Bürgermeister Österreichs.
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