Bericht

Gemeinsames Singen erlebt einen Aufschwung

Sie erklingen bei der musikalischen Früherziehung im Kindergarten und beim Wirtshaussingen in geselliger Runde – Volkslieder aus dem Burgenland. Dahinter stehen die Bemühungen des Burgenländischen Volksliedwerkes, alte Lieder neu zu entdecken und junge Menschen für das Singen von Volksliedern zu begeistern.

Foto: zVg

SchülerInnen der 8M des Wimmergymnasiums Oberschützen mit Anna-Maria Rudolf vom Bgld. Volksliedwerk.

 

Welche burgenländischen Volkslieder singt man heute noch und welche Attribute würde man ihnen zuschreiben? Zeitlos? Lebendig? Aktuell? Aber ja doch! Und Anna-Maria Rudolf, die Geschäftsstellenleiterin des Burgenländischen Volksliedwerkes, hat auch eine Erklärung dafür: „Volkslieder haben zwar eine lange und bedeutungsvolle Tradition. Diese ist aber nicht in Stein gemeißelt. Die Lieder haben sich immer verändert und tun das auch heute noch. Die Handschriften, die wir haben, sind Momentaufnahmen aus der jeweiligen Zeit. Das heißt aber nicht, dass ein Lied genauso immer gesungen worden ist.“

Anschauliches Beispiel dafür ist ein Liederbüchlein, das Schülerinnen und Schüler der 8M Klasse des Wimmergymnasiums Oberschützen in Kooperation mit dem Burgenländischen Volksliedwerk zusammengestellt haben. Darin finden sich neben einem Lied von Sepp Gmasz, das er im Jahr 1978 gegen die Verbauung des Neusiedlersees geschrieben hat, auch die sogenannten Corona Gstanzln – humorvolle Zeilen, getextet von den SchülerInnen, nach einer uralten Melodie. Kostprobe gefällig? „Aus da Schul hots a Virus uns gschofft zum Vatreim, jetzt miass ma in Gott’s Naum im Home-Office bleibm.“ Oder „Corona woa friacha a Bier gengan Duascht, heit trogt ma an Mundschutz, host Fiawa und huascht.“

Kindern singen einfach gern

Das Burgenländische Volksliedwerk archiviert, dokumentiert und vermittelt traditionelle Musik. Das Singen bei Jung und Alt wieder en vogue zu machen, gehört selbstverständlich dazu. Wirtshaussingen für Erwachsene, aber auch Schul- und Kindergartenprojekte. „Kinder singen eigentlich von Haus aus gern. Man muss sie nicht lange dazu überreden“, so Anna-Maria Rudolf, die im Laufe ihrer musikalisch-pädagogischen Ausbildung an der Kunstuniversität Graz, Institut Oberschützen selbst an Kindergärten und Schulen positive Erfahrungen beim Singen mit Kindern gemacht hat.

Früher gab es keine Ablenkung

Bei Jugendlichen ist diese unverkrampfte Einstellung zum Singen nicht mehr so ausgeprägt. Die Devise heißt trotzdem locker bleiben: „Da darf man nicht zu viel reden und erklären, man muss einfach drauf los singen. Wenn man in der Schule vor Jugendlichen einen Jodler anstimmt, schauen sie einen mal komisch an, wenn sie aber nach und nach mit einstimmen, stellt sich der Spaß bei allen von alleine ein“, erzählt Anna-Maria Rudolf – mit ihren 24 Jahren lebendiges Beispiel dafür, dass junge Menschen sehr wohl einen Zugang zu Volksliedern finden. „Meine Eltern und Großeltern sind noch mit Volksliedern aufgewachsen. Da wurde wirklich immer gesungen, egal ob zu Hause oder bei geselligen Abenden im Wirtshaus, weil es einfach keine Ablenkung durch Fernsehen, Internet, Handy usw. gab. Man hat sich die Unterhaltung und Geselligkeit selbst geschaffen. Wenn man das von klein auf miterlebt, bleibt es ein Leben lang.“

Familien-Liederbuch geplant

Genau in diese Kerbe schlägt das nächste Projekt des Burgenländischen Volksliedwerkes, geplant für das kommende Jubiläumsjahr anlässlich 100 Jahre Burgenland: „Wir möchten ein burgenländisches Familien-Liederbuch in den fünf Volkssprachen des Burgenlandes herausgeben, um Eltern eine Art Werkzeug in die Hand zu geben, mit Liedern zum Baden gehen, zum Schlafen gehen, zu Tisch kommen, einfach um die Rituale, die es im Familienleben so gibt, auch besingen zu können. Viele Kinder machen es dann einfach lieber“, so Anna-Maria Rudolf, „und die sollen es dann einmal ihren Kindern weitergeben.“


Anna-Maria Rudolf
vom Bgld. Volksliedwerk
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