Kommentar

Fastenbrechen

Wermutstropfen im Frühling, der Wunsch nach Frieden und die Liebe zu Vanillekipferln.

Der Frühling ist wieder einmal über Nacht gekommen und hat uns mit einer Duft- und Blütenwolke für die langen trostlosen Wintermonate entschädigt. Die Tage sind länger, man kommt nach Hause, solange es hell ist und steht mit Vogelgezwitscher morgens auf. 

Alles gut und schön, wären da nicht ein paar Wermutstropfen in unserem Frühlingscocktail. Da ist der immer noch andauernde Krieg in der Ukraine und die Tausenden Menschen, die für einen alten Mann mit Allmachtsfantasien sterben müssen. Da gibt es auch noch Orban und Kickl, die irgendwas von Friedensverhandlungen mit Putin daherbrabbeln. Wie genau sollen denn die aussehen? Putin verzichtet auf die Ukraine und gibt die Krim und den Donbas zurück? Das Gegenteil würde er wohl einfordern. 

Und weil wir ja so neutral sind und unser Bundeskanzler neben seiner vielfach beachteten Rede zur Lage der Nation auch gemeint hat, an der Neutralität sei nicht zu rütteln, muss man als halbwegs Informierter wohl sagen: von wegen neutral! Wir sind neutral, weil wir zu feige sind, Haltung zu zeigen. Jeder Österreicher hat über das Gas pro Kopf sage und schreibe 600 Euro in Putins Kriegskasse eingezahlt. Unsere Gasimporte sind so hoch wie eh und je. Man redet sich auf Verträge mit der Gazprom aus, die allerdings keiner kennt. Auch nicht unsere Politiker. 

Raiffeisen versucht vergeblich seine Schäfchen in Russland ins Trockene zu bringen und bleibt so wie ein paar andere österreichische Firmen auch im Russlandgeschäft. Also zur Neutralität „ja“, aber zu unseren Bedingungen. 

Ungarn würde Putin, den der internationale Strafgerichtshof ja mit einem Haftbefehl geächtet hat, nicht verhaften, so Orban. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei uns jemand tun würde. 

Ostern

Ich für meinen Teil werde ein paar Tage weniger essen und keinen Alkohol trinken. Schließlich haben wir ja noch ein paar Tage Fastenzeit und als ich vor sicher 30 Jahren mich von Arbeitskollegen überreden ließ, doch eine Saftkur zu machen, weil man damit die ganzen Schlacken aus dem Körper entfernen und sich um Jahre jünger fühlen würde, hab ich das gemacht. Also bin ich in die Drogerie und hab einen Karton mit diversen Säften gekauft. Innen liegend eine Beschreibung, wann und wie viel von diesen Säften zu trinken ist. Beginnen musste man mit einem Glas aufgelöstem Glaubersalz, das mir gleich zu Beginn ein paar unangenehme Stunden auf der Toilette beschert hat. 

Tag eins mit den ersten Säften verlief gut und Tag zwei war auch noch in Ordnung. Man ist ja diszipliniert und willensstark, also was soll schon groß sein? Vergeblich wartete ich allerdings auf das Hochgefühl, das sich beim Fasten eigentlich einstellen sollte. Ein leichter Kopfschmerz kam stattdessen. 

Tag drei begannen die Essensfantasien, die ich durch das Lesen von Kochbüchern auch nicht in den Griff bekam.

Tag vier: Besuch bei meiner Mutter und Gespräch darüber, was sie mir so alles kochen könnte in der nächsten Woche. Allerdings mit dem Hinweis versehen, diese Wünsche nicht ernst zu nehmen, die würden lediglich meinem unterzuckerten Gehirn entspringen, welches nur noch zwei Impulse aussendet: Essen und zwar alles was mir unterkommt. Eigentlich, laut Fastenanleitung, dürfte ich jetzt schon gar keinen Hunger mehr haben. Anruf bei meiner Ex-Schwiegermutter, sie möge mir doch ein paar Vanillekipferl machen. 

Tag sechs: der Tag des Fastenbrechens! Vorgeschlagen wurde eine klare Gemüsesuppe und ein geriebener Apfel über den ganzen Tag verteilt. Gott sei Dank traf davor die Vanillekipferl-Lieferung ein und ich habe gegen alle Vernunft mit einer ganzen Dose Vanillekipferl Fasten gebrochen. 

Bin nicht in ein Zucker-Koma gefallen, weiß aber seither, dass extremes Fasten nichts für mich ist. Seit 30 Jahren tue ich es auch nicht mehr. Mein Bedürfnis nach Saftkuren hat sich gelegt. Die Lust auf Vanillekipferl allerdings ist geblieben. Aber kaum Fleisch und mehr Gemüse zu essen, versuch ich trotzdem. In diesem Sinne, schöne Ostern und Friede auf all Ihren Wegen!

Alles Liebe, Ihr Feri Tschank 


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