Herzblut ist süß

Was diese Mauern wohl erzählen würden, wenn sie sprechen könnten. Denn 240 Jahre lang gibt sie es schon, die Konditorei Träger in der Pinkafelder Bruckgasse. Unerschütterlich hat sie Kriege, Brandkatastrophen und dann auch noch den Corona-Lockdown überstanden. Nun übernimmt die siebente Generation den Familienbetrieb und schenkt einer Tradition, die besonders tief verwurzelt ist, neuen Aufwind.
Eva Maria KAMPER / 25. Februar 2022
Foto: Eva Maria Kamper

Pinkafeld und die Konditorei Träger, das ist untrennbar verbunden. Wer durch den historischen Türbogen der alten Fassade ins Kaffeehaus schreitet, betritt eine zeitlose Welt, die Gemütlichkeit vermitteln will. Mit dem Charme des Kaffeedufts und handgemachten, süßen Backwerken, die einem auf den ersten Blick aus der Vitrine entgegenleuchten.

Seit 1780

Firmengründer im Jahr 1780 war Johann Georg Träger, der mit seiner damaligen Bäckerei die ganze Region rund um Pinkafeld mitgeprägt hat. Und wohl kaum eine andere Familie hat das Privileg, einen so weitreichenden, dokumentierten Rückblick auf ihre Familiengeschichte zu haben. Dem Vorfahren Ernö Träger wurde mit seiner schicksalsträchtigen Geschichte nach dem ersten Weltkrieg sogar eine Ausgabe der ORF-Sendereihe „Universum History“ gewidmet.

Bis zuletzt haben Reinhard und Christine Träger das Kaffeehaus geführt, Anfang des heurigen Jahres wurde das Traditionsunternehmen offiziell an Veronika Träger, Wolfgang Träger und seiner Lebensgefährtin Sarah Wagner übergeben. Die siebente Familiengeneration.

Umweg zurück

Längere Zeit war noch nicht ganz klar, wie die Weiterführung des Kaffeehauses umgesetzt werden kann. Die Geschwister haben sich alle in unterschiedlichen Berufsbranchen verwirklicht, schildert Veronika Träger: „Ich habe über zehn Jahre im Museum für angewandte Kunst Wien gearbeitet. Mein Bruder ist an einem Prüflabor an der TU Wien tätig und seine Lebensgefährtin Sarah leitet einen Kindergarten.“ Doch oft führen Umwege zum Ziel. Der Entschluss zur Übernahme kam mit der Neugestaltung der Homepage, als man den Betrieb plötzlich mit ganz anderen Augen sah und die Kompetenzen für das Weiterbestehen des Kaffeehauses in Familienhand nutzen wollte. Denn Verpachten, das kam nie in Frage. „Wenn ich hier die Räume betrete, sehe ich immer noch meine Oma, wie sie am Stammtisch beim Eingang sitzt und die Gäste begrüßt und mir jeden Morgen fünf Schilling für die Schuljause zusteckt“, schwelgt Veronika Träger in Erinnerungen, die ihr Herzblut für das Unternehmen bestärken. „Und meinen kleinen Bruder, wie er als dreijähriger Bub in einem unbeaufsichtigten Moment, vom Krapfen eines Gastes abgebissen hat“, schmunzelt sie über die Kindheitstage im „Wohnzimmer“ Kaffeehaus.

Altbewährtes trifft Neues

Eine räumliche Umgestaltung, die steht bewusst nicht am Plan. Raum für Neues, das soll es aber unbedingt im süßen Angebot der Konditorei geben. Derzeit tüftelt man an neuen Rezepturen von zeitgemäßen Kreationen, da man die Kundschaft auch glutenfrei, laktosefrei, diabetikertauglich und natürlich auch vegan begeistern möchte.
Der Senior-Chef und pensionierte Konditormeister Reinhard Träger ist auch immer noch gerne im Kaffeehaus zugegen und beäugt den frischen Aufwind hinter und vor den Kulissen, wenn auch schon mit verdientem Abstand. „Außer am Sonntag. Denn die Ischler-Schnitten, die sind immer noch aus Chefhand“, betont Veronika Träger schmunzelnd, die auch ihrem gesamten Mitarbeiter-Team hinten dem Backofen ihre Wertschätzung ausspricht. Ein großes Augenmerk soll künftig auf die Gestaltung von Hochzeitstorten liegen, auch ein Herzensprojekt von Veronika Träger.

„Trägers Backwerk“

Und einen ganz besonderen Schatz möchte die Familie Träger Ende April zu Tage bringen. Ein Buch über die Familiengeschichte, in Verbindung zu historischen Ereignissen der Stadt Pinkafeld – wie zum Beispiel die große Brandkatastrophe 1817 – die auch die Konditorei betroffen hat, wird zusammen mit dem Museumsverein Pinkafeld präsentiert. Mit sechs Kapiteln, die über die vorangegangenen sechs Generationen berichten. Auch jeweils eines der prägendsten Rezepte aller Generationen soll darin verraten werden. Mit Zuckerguss. Denn Herzblut, das schmeckt eben süß.


Veronika Träger (li.) übernimmt zusammen mit Bruder Wolfgang und seiner Lebensgefährtin Sarah Wagner das Kaffeehaus Träger in der siebenten Generation.

Seit dem Jahr 1780 von Johann Georg Träger als Bäckerei gegründet, ist der Traditionsbetrieb als Café Konditorei bis heute nicht mehr von der Pinkafelder Bruckgasse wegzudenken.


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